Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
472
Einzelbild herunterladen
 

472 Gruppe III. Chemische Industrie.

troffenen Eintheilung. und in chronologischer Reihenfolge kurz er-wähnt werden.

Verfahren, durch welche die Bildung kalk- und schwefel-haltiger Rückstände umgangen werden soll.

Vorschläge zu derartigen Verfahren werden bereits von Dumas'in seinem 1832 erschienenen Handbuche der angewandten Chemie(Bd. II, S. 490) erwähnt und sind auch in neuerer Zeit wiederholtgemacht worden. Dieselben stützen sich sämmtlich auf die nämlichenReactionen, auf die Reduction des Natriumsulfats durch Kohle zuNatriumsulfid und auf die directe Umwandlung der letzteren Verbin-dung durch Kohlensäure und Wasserdampf in Natriumcarbonat undSchwefelwasserstoff. Lezterer sollte verbrannt und die dabei resul-tirende schwellige Säure zur Fabrikation von Schwefelsäure benutztwerden. Beringer 1 ) giebt an, auf die angegebene "Weise schwefel-haltige Sodamutterlaugen mit Erfolg verarbeitet zu haben, W. Hunt 2 )hat sich einen auf den beschriebenen Reactionen beruhenden Processzur Fabrikation von Soda nochmals im Jahre 1861 patentiren lassen,und "W. Gossage 3 ) kommt noch später für den nämlichen Zweck aufdieselben Reactionen zurück, nur schlägt derselbe vor, das entwickelteSchwefelwasserstoffgas durch Eisenoxyd zu absorbiren und das ge-schwefelte Eisenoxyd später in Kiesöfen zur Gewinnung von schwef-liger Säure abzurösten.

Alle diese Verfahren sind nur versuchsweise angewandt, und dasie sich nicht bewährt haben, bald wieder aufgegeben worden.

Verwendungen der Sodarückstände als solcher.

Deacon 4 ) und Andere 5 ) haben, auf das leichte Erhärten derRückstände an der Luft gestützt, vorgeschlagen, dieselben mit Sandzu mischen und das Gemisch zum Formen von Bausteinen oder directzum Chaussiren von Fusswegen etc. zu benutzen; Kühl mann 5 ) ver-setzt die Rückstände mit abgebrannten Pyriten und brennt darausZiegel und Ziegelsteine; Lieseking 6 } endlich will die Rückstände alsGegenmittel gegen die Kartoffel- und Traubenkrankheit verwandt wissen.

Keiner dieser Vorschläge hat vermocht, dauernd praktische Er-folge zu erzielen. Fr. Varrentrapp 7 ) bespricht neuerdings nochmalsdie Anwendung der Sodarückstände zu Strassendammaufscküttungen

J ) Beringer, Jahresber. 1847/48, 1052; Dingl. pol. J. CLV, 286.

2 ) W. Hunt, Jouru. of arts. London, Jan. 1861, 20; Dingl. pol. J. CLXI, 377.

s ) W. Gossage, Dingl. pol. J. CLXII, 283; vergl. aueb S. 465 dieses Berichtes.

4 ) Scheurer-Kestner, Bull. Soc. industr. Mulhouse 1868, 120. 6 ) Var-

rentrapp, Dingl. pol. J. CLVIH, 420. 6 ) Liesching, Pol. Centralbl.

1863, 1242. 7 ) Pr. Varrentrapp, Deutsche Vierteljahrsschrift für öffent-

liche Gesundheitspflege 1874, 408.