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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

übergelasseir und calcinirt. Die am Schluss der Operation entwickeltenbrennbaren Gase entzünden sich .und werden von diesem Moment an,nachdem man die Verbindung des zweiten Ofens mit dem Schornsteinunterbrochen hat, in den ersten Ofen hinüber geleitet und dienen hierzur Unterstützung der Verdampfung. Nach beendeter Verbrennungwird die glühende Masse in einen gemauerten Behälter gezogen, inwelchem sie drei Wochen verbleibt und während dieser Zeit ausglimmt.Die erhaltene rohe Potasche wird zum Theil zur Wäsche mit verwen-det, zum Theil an die Raffinerie abgegeben.

Die Ausbeute an Wollschweiss ist eine verlhiltnissmässig grosse.Aus 100 Gewichtstheilen der gewöhnlichen Wollen werden etwa15 Gewichtstheile des oben erwähnten calcinirten Rohproductes er-halten, welches x / 3 seines Gewichtes an reiner Potasche liefert, so dassvon letzterer 5 p. C. der Wolle erhalten werden.

Nach Balards x ) Notizen über die Producte aus Schaf-schweissasche producirten die Herren Maumene und Rogelet inihren Fabriken zu Rheims und Elbeuf im Jahre 1867 150 Tons =150 000 Kg reiner Potasche. Die Wollwäschereien von Rheims, El-beuf und Eournier würden aber,-wenn alle Waschwasser verarbeitetwürden, 1 167 Tons = 1 167 000 Kg Potasche liefern können.

Ausser in Rheims und Elbeuf wird die Fabrikation von Schaf-schweissasche in Roubaix, Antwerpen und wie schon erwähnt, inBrügge, Verviers und, Lüttich betrieben. In Deutschland haben Hart-mann & Hauers zu Hannover mit der Darstellung von Potasche ausWollschweiss begonnen; dieselben arbeiten dort in zwei Fabriken.

Eine Combination, welche Paul Havrez * 2 ) angegeben hat, scheintdie Gewinnung der Potasche aus Schafschweiss zu einer recht vor-theilhaften gestalten zu wollen 3 ). P. Havrez schlägt nämlich vor,den eingetrockneten Schafschweiss zur Blutlaugensalzgewinnung her-anzuziehen und findet die Berechtigung hierzu in den darin enthal-tenen stickstoffhaltigen organischen Substanzen.

Er schlägt vor, die Menge derselben durch einen Zusatz von50 Kg stickstoffhaltiger thierischer Abfälle (Leder, Horn oder dergl.)per 100 Kg Schafschweiss zu erhöhen. Die aus der geschmolzenenMasse gewonnene Potasche enthält 173 p. C. Cyankalium, entsprechend19 p. C. Blutlaugensalz. Dies ist im Vergleich zu der Ausbeute der Blut-laugensalzfabriken, welche 1000 Kg Potasche mit 100 Kg thierischen

x ) Balard, Rapport du Jury international par M. Mich. Chövalier.Paris 1868. 105.

2 ) Havrez, Moniteur scientifique. 1870. 120. Wag-n. Jaliresh.

1870. 210.

8 ) Vergl. den Aufsatz über Cyan Verbindungen von Dr. Emil Meyer.S. 284 des Berichtes.