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Kalidiingmittel.
Mengen des für den Pflanzenwuchs schädlichen Chlormagnesium ent-hielten, lieferten sie in ihrem Gehalt an Chlorkalium resjo. schwefelsauremKalium ein directes Pflanzenernährnngsmittel, ebenso in dem schwefel-sauren Magnesium ein Fixirungsmittel für freies Ammoniak, welchesin Folge seiner leichten Löslichkeit den seit lange in der Praxis ein-geführten Gyps sehr wesentlich übertraf, in dem Kochsalzgehalt end-lich ein Agens, welches die von der oberen Ackerkrume (durch Absorp-tion) fixirten Pflanzennährstoffe auch dem von der Cultur mit in An-spruch genommenen Untergründe zugänglich machen und so der beiintensiver Bewirthschaftung drohenden Erschöpfung dieser Bodenschich-ten Vorbeugen konnte. Ein besonders glücklicher und die rascheEinführung der Kalidüngmittel wesentlich fördernder Umstand wares, dass zu jener Zeit — Anfang der sechsziger Jahre — auch vielepraktischen Landwirthe bereits begonnen hatten, Liebig’s Lehren undMahnungen in vollem Maasse zu würdigen. Wie auf dem ganzen Ge-biete der Agriculturchemie hatte Liebig auch hier bahnbrechend undgrundlegend gewirkt, und als die Industrie von dem durch ihn er-schlossenen Gebiet Besitz nahm, fand sie alles vorbereitet und vorge-dacht und brauchte nur auszuführen, was der Geist des grossen Meistersersonnen hatte.
Es ist hier nicht der Platz, die Bedeutung der Kalisalze für denBau der Pflanze zu erörtern, es könnte das nurmitUeberschreitung derGrenzen der speciellen Gebiete der Agriculturchemie oder derLandwirth-schaftslehre geschehen; als Beispiele aber, wie sich die rechte Theorieund die rechte Praxis decken, mögen hier zwei Culturgebiete herausge-griffen werden, welche, nahezu Extreme des Landwirthschaftsbetriebesbildend, doch in dem einen, viel angegriffenen und erst spät begriffenenPunkte der Bodenerschöpfung Zusammentreffen.
Ich wähle hierzu einen Zweig der intensivsten Bodennutzung, denAnbau der Zuckerrübe, und die äusserste Grenze extensiver, wo nicht,wie es Prof. Wicke sehr richtig bezeichnet, nomadisirender Land-wirthschaft, die Brandcultur der Moore und Haiden.
Schon beim ersten Erscheinen seiner Agriculturchemie hatte Liebigdarauf hingewiesen, wie gerade der Zuckerrübenbau durch die grossenMassen von Alkalien, welche er dem Boden entnimmt und in Form vonMelasse resp. Schlempekohle (ein durch Eindampfen und Verkohlen derMelasseschlempe gewonnenes, hauptsächlich aus kohlensaurem Kalium undChlorkalium bestehendes Salzgemisch) dauernd entführt, eine Verar-mung und allmälige Erschöpfung des Bodens an diesen für die Büben-pflanze wichtigen Mineralbestandtheilen herbeiführen und deren dauern-den Anbau in Frage stellen müsse. Zu jener Zeit waren die Stass-furter Kalisalzlager noch nicht entdeckt und es blieben daher Liebig’sLehrsätze um so mehr unberücksichtigt, als auf den zum grossenTheile erst seit wenigen Jahren mit Zuckerrüben bestellten Feldern
Wiener Weltausstellung. HI. 25