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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Bisherige- Verwendung der letzten Laugen. Wie schonerwähnt enthalten die Abraumsalze einen kleinen Bruchtkeil Bromwelches sich in den letzten Laugen anhäuft und daraus von dem Ver-fasser fabrikmässig gewonnen wird *); ebenso hat der Bromgehalt derletzten Laugen dem Verfasser Anlass gegeben, aus diesen und aus denausgekochten Salzen Mischungen herzustellen, welche den verschiedenenfür medicinische Zwecke benutzten Bade- und Mutterlaugensalzen(Iireuznacher, Rehmer, Wittekinder, Kösener, Gottschalkowitzer etc.)nach Beschaffenheit, Zusammensetzung und medicinischer Wirkungvöllig entsprechen und da sie bedeutend billiger sind, als dienatür-lichen Badesalze, auch die Verwendung für weniger Bemittelte, sowiefür grosse Badeanstalten, Lazaret-he etc. ermöglichen. Nach demselbenPrincip hat der Verfasser künstliches Seewasser der verschiedenen Meere(Ostsee, Nordsee, Atlantischer Ocean etc.) für Bäder und Aquarien her-gestellt, für dessen richtige Zusammensetzung der Beweis damit geliefertwurde, dass die Fische der betreffenden Gewässer darin fortlebten undgediehen. Bei dem zunehmenden Seefischhandel nach dem Inlandewird es mit Hilfe solcher Seesalzgemische aber auch möglich sein, imBinnenlande mit geringen Kosten grössere Seewasserbassins herzustellenund" darin die Fische für den Verkauf lebendig zu erhalten.

Als weitere und zurZeit bedeutendste Verwendung der StassfurterEndlaugen muss die von Joseph Townsend, Port Dundas Glasgow,erfolgte Einführung des Chlormagnesium für die Webwaarenfabrikationan erster Stelle erwähnt werden. Es ist bekannt, dass Ketten- undSchussfäden bei der Weberei schon seit langer Zeit mit gewissenSchlichtmaterialien (Stärke-, Isländisch- oder Caragheenmooskleister)getränkt wurden, damit die Fäden fester wurden und namentlich aufden Dampfwebstühlen nicht so leicht abrissen (brachen), da indessendiese Materialien leicht schimmelten und trockneten, so mussten siemit verschiedenen nicht immer unschädlichen antiseptischen Mittelnversetzt werden; noch schlimmer aber für die Gesundheit der dabeibeschäftigten Arbeiter war es, dass man die Webstühle, um das Trocknender Schlichte zu verhindern, in Räumen aufstellte, die entweder an sichfeucht waren (Keller etc.) oder in denen durch Einleiten von Wasser-dampf künstlich eine feuchte Atmosphäre geschaffen wurde.

Die Einführung des Chlormagnesium als Zusatz zu den Schlichten,welche man Townsend verdankt, hat diese Uebelstände nicht nurbeseitigt, indem das Präparat die Schlichten vor Zersetzung schütztund durch seine Hygroskopicität den Faden ohne künstliche Anferrch-tung geschmeidig erhält, sondern die Luft in den Arbeitsräumen istnoch wesentlich dadurch verbessert, weil das Chlormagnesium das mitden Ausdünstungen der Arbeiter exhalirte Ammoniak absorbirt. In

i) Yergl. den Aufsatz über Brom S. 127 dieses Berichtes.