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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Stassfurter Kaliindustrie.

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England, wo Townsend unter dem Schutze eines Patentes für Aus-breitung seiner Erfindung thätig sein konnte, hat dieselbe ausgedehnteAnwendung gefunden, in Deutschland ist Mangels eines Patentschutzeswegen bisher Niemand in der Lage gewesen, die hiermit, wie mit derersten Einführung jeder Neuerung verbundenen Opfer zu riskiren.

Das Chlormagnesium wird für diesen Zweck in krystallisirter Form(Mg CI -j- 6 H 2 0) durch einfaches Eindampfen der Endlaugen auf39° B. (1375 Yol-Gew.) und Einfüllen der heissflüssigen Masse in Buchen-holzfässer oder Petrolbarrels fertig gemacht und werden davon jetzt6000 bis 8000 Tonnen jährlich nach England versendet, die dort mit7 bis 9 Pf. St. pr. Tonne incl. Patentnutzungsrecht verkauft werden,während der Preis in Stassfurt für gute derartige Waare kaum 3 Pf.St.'pr. Tonne (circa 3 Rmk. pr. Ctr.) ist.

Eine andere Verwendung der hygroskopischen Eigenschaften desChlormagnesiums ist mit dessen Zusatz zu dem für die Strassenbespren-gung benutzten Wasser versucht worden, wobei man auch als Neben-vortheil die Bindung des im Strassenkoth befindlichen freien Ammoniaksin Aussicht nahm. Obgleich nun das angestrebte Ziel erreicht wurde,so bot doch der Transport der erforderlichen grossen Massen bisherunüberwindliche Schwierigkeiten, und man hat es an den betreffendenVersuchsstätten billiger gefunden, durch Anwendung grösserer MassenSprengwasser annähernd dasselbe Resultat zu erzielen.

Im Anschluss hieran mag auch gleich die Verwendung des Chlor-magnesium als Desinfectionsmittel in der sogenannten SüvernschenMasse und in ähnlichen Combinationen (Kalk, Theer, Chlormagnesium)erwähnt werden, die indess, wenn auch bei kurzen Wasserläufen undsorgfältiger Anwendung nicht ganz ohne Nutzen, den davon anfäng-lich gehegten grossen Erwartungen nicht entfernt -entsprach und ent-sprechen konnte.

Sorel scher Gement. Für die bekannte Erfindung Sorels, aus ge-glühter Magnesia und Chlormagnesium event. unter Zusatz weiterer Farbe-oder Füllstoffe künstliche marmorartige Steine herzustellen, findet dasStassfurter Chlormagnesium einige Verwendung, doch ist dieser Magnesia- ~cement leider noch nicht genügend gewürdigt, obwohl Sorel das Verfahrenin letzter Zeit noch wesentlich verbesserte und unter anderen auch inWien ausgestellte Schleifsteine mit Zusatz von Schmirgelpulverproducirte, welche von Metallarbeitern sehr gerühmt wurden. Ob sichSorels Angabe, dass sein Magnesiacement auch dem Seewasser wider-stehe, bestätigt, konnte vom Verfasser leider nicht in Erfahrung ge-bracht werden, gegen warmes süsses Wasser ist der Cement nichtdauernd widerstandsfähig. (Vergl. auch w. u. den Aufsatz über Cement.)

Eine andere Verwendung des Chlormagnesium, welche vielleichteine Zukunft hat, ist die als Klärungs- und Neutralisationsmittel beider Verarbeitung des Zuckerrübensaftes. Nachdem Scheibler durch