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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Bor und seine Verbindungen.

die in den Steinsalzlagern vor komm enden Bor säure Verbindungen ver-danken dieser Quelle ihren Ursprung. Es könnte auf den ersten Blicketwas aulfällig erscheinen, dass die Borsäure, welche mit einigen derin dem Meerwasser in grösster Menge vorhandenen Metalle (Calcium,Magnesium) schwerlösliche Verbindungen bildet, sich in den Mutterlaugendesselben ansammeln soll; aber man beobachtet häufig, dass aus Lösun-gen von-Salzgemischen, wenn man dieselben verdampft, die einzelnenConstituenten sich nicht immer nach dem Grade ihrer Löslichkeit ge-ordnet ausscheiden, sondern dass in den zerfliesslichsten Salzen einschwer lösliches eingeschlossen ist und umgekehrt. Man dürfe daherwohl annehmen, meint Nöllner, dass die chemische Umlagerung ge-wisser Bestandtheile einer Lösung erst bei einem gewissen Concentrations-grade oder einer bestimmten Temperatur dieser Lösung stattfinde. Sokrystallisire z. B. aus den jodhaltigen Mutterlaugen des rohen Natron-salpeters plötzlich und ganz zuletzt nur Kalisalpeter, während bei einemGemenge von reinem Natron- und Kalisalpeter der letztere sich dochstets zuerst ausscheide, ebenso werde zuweilen eine Abscheidung schwer-löslicher borsaurer Salze aus den sonst nur zerfliessliche Verbindungenenthaltenden Mutterlaugen der obigen Fabrikation beobachtet.

Das Vorkommen von Borsäureverbindungen in den Steinsalz- undSalpeterlagern ist, sobald man daraus auf einen geringen aber constan-ten Gehalt des Meerwassers an Borsäureverbindungen schliessen darf,im höchsten Grade interessant; denn nun sind es nicht mehr, wie zuerstF. Bischof, später auch Becchi 1 ) und Andere annahmen, in dem vonvnlcanischen Dämpfen durchbrochenen Gestein ursprünglich vorhandeneCalcium- oder Magnesiumborate, welche unter dem Einflusser desWasserdampfs, der Kohlensäure und des Salmiaks (Bestandtheile dervulcanischen Dämpfe) etc. zersetzt werden, sondern wahrscheinlicherin Steinsalzlagern vorhandene Borsäureverbindungen, welche, wenn siebei höherer Temperatur mit Wasserdampf in Berührung kommen, zer-legt werden und ihre Borsäure an die Wasserdämpfe abgeben. Einesecundäre Bildung von Calcium- und Magnesiumborat, welche Verbin-dungen man in dem von den Dampfemanationen durchbrochenen Ge-stein beobachtet hat 2 ), bleibt hierbei nicht ausgeschlossen.

Auch Schwarzenberg 8 ) hält es für wahrscheinlich, dass in Tos-cana Steinsalzlager durch vulcanische Thätigkeit im glühenden Zu-stande erhalten werden, dass Meerwasser in dieselben eindringe und inDampf verwandelt aus den vorhandenen Boraten Borsäure frei macheund an die Oberfläche befördere.

}) Siehe hierüber den Aufsatz vonDr. Karl Kurtz, Seite 343 dieses Be-richtes. 2 ) Schmidt, Ann. Chem. Pharm. XCVIII, 271, 011,190. 3) Schwar-zenberg, Bolleys Handbuch, der Technologie, Bd. II, Gruppe I, 38.