Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

342

Gruppe III. Chemische Industrie.

Das gleichzeitige Vorkommen bedeutender Mengen von Kochsalzund Natriumsulfat etc. in den Boronatrocalcitlagern Californiens undNevadas, sowie die Thatsache, dass man an den Stellen oder in derNähe derselben, wo Borsäurequellen, Boraxseen oder Lager von Bor-säuremineralien beobachtet worden sind, meist auch Steinsalzlager auf-gefunden hat, stehen mit der angeführten Erklärung des Ursprungsder natürlichen Borsäure im Einklang.

Anwendungen der Borsäure und des Borax. Zu den be-kannten Anwendungen des Borax beim Löthen von Metallen, zur Her-stellung von Metalllegirungen, von Email, zum Glasiren in der Porcellan-und Thonwaarenfabrikation etc. sind in der letzten Zeit nur wenigneue hinzugekommen:

v. Kletzinsky J ) empfiehlt, den Borax in der Färberei als Lösungs-mittel in Wasser unlöslicher Farbstoffe (Krapp, Kino, Sandelholz, Dra-chenblut), sowie zum Fixiren unlöslicher Beizen zu verwenden. Imletzteren Falle verwandelt der Borax die Oxydhydrate in neutraleBorate, welche jedoch für Farben eine ebenso grosse Anziehungskraftals die ersteren besitzen. In Folge seiner Eigenschaft, Fettsäuren zuverseifen und Fette zu emulsiren, kann der Borax auch bei der Her-stellung von Weissbädern benutzt werden. Charles 2 ) will für ähn-liche Zwecke eine Lösung von 2 Kg Borax in 500 1 Wasser als Kuh-kothsalz angewandt wissen.

Auch wird über die Verwendbarkeit des Borax an Stelle vonSeife berichtet 3 ). Die belgischen Wäscherinnen lösen in 45 1 Wasch-wasser eine Hand voll gepulverten Borax auf und behaupten dadurcheine wesentliche Ersparniss an Seife zu erzielen.

Dem Borax hat man in der Glas- und Thonwaarenindustrie mit Vor-theil Borsäure, ja auch natürlich vorkommenden, ausgelesenen Boronatro-calcit substituirt. Die Borsäure ist ferner seit einigen Jahren zur Berei-tung von Manganborat, welches als Siccatif für Firnisse und Oelfarbendient, sowie zur Darstellung eines schönen Chromborats, welches alsFarbe besonders in der Kattundruckerei verbraucht wird und unterdem Namen Smaragdgrün, Pannetiers Grün, Yert Guignet (vergl. auch denAufsatz über Chromverbindungen in einem späteren Theile dieses Be-richtes), in den Handel kommt, benutzt worden.

*) v. Kletzinsky, Mittbeilungen aus dem Gebiete der Chemie. Wien1865, 32; Wagn. Jahresber. 1865, 661. 2 ) Charles, Bull. Soc. chim. 1866,

238. 3 ) Dingl. pol. J. CLXXXIII, 415.