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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

der eben erwähnten Zersetzung entstehende Kieselfluorkalium undKieselfluornatrium nur unvollständig durch Hitze in Fluorsiliciumund Alkalifluorür zerlegt wird 1 ).

Was die Anwendung der Kieselflusssäure betrifft, so liegt es vorAllem nahe, ihre Eigenschaft, mit den Alkalien schwer lösliche Verbin-dungen zu bilden, zu verwerthen. Die Erzeugung von Kieselfluor-kalium aus Stassfurter Kalisalzen ist in der That die wichtigste An-wendung, welche die Säure findet. Einer gesättigten Lösung vonChlorkalium, welche in grossen Holzbottichen enthalten ist, wird dieentsprechende Menge Kieselfluorwasserstoffsäure (100 1 Säure von 5°B.auf 7 Kg Chlorkalium) zugesetzt. Wenn der gelatinöse Niederschlagsich abgesetzt hat, lässt man die darüber stehende Flüssigkeit ablaufen.Diese enthält eine der verbrauchten Menge Kieselflusssäure äquivalenteMenge Salzsäure. Man sammelt den Niederschlag auf Filzfiltern, lässtabtropfen und trocknet. Der Verkaufspreis dieses Products ist 120 Frcs.für 100 Kg 2 ). Wenn man sich erinnert, dass das Kieselfluormagnesiumsehr löslich ist, so leuchtet es ein, dass durch diesen Process die Kalium-salze von den sie begleitenden Magnesiumverbindungen sowohl in denStassfurter Salzen als auch in den Mutterlaugen der Kochsalzgewinnungaus dem Meerwasser leicht zu trennen sind. Auch die Natriumverbin-dungen können als Kieselfluornatrinm gefällt werden, obgleich dasselbenicht so unlöslich ist, wie das entsprechende Kaliumsalz.

Die beiden alkalischen Kieselfluorverbindungen sollen nun inkaustisches Alkali umgewandelt werden. Wenn man dieselben in Gäs-retorten erhitzt, so entweicht Fluorsiliciumgas, welches man ebensomit Wasser zersetzt, wie das im Schachtofen erzeugte, und es bleibtdas Alkalifluorür zurück. Indess ist diese Zersetzung leider keineswegsvollständig. In Grossblittersdorf zeigte sich, dass selbst nach vierund-zwanzigstündigem Glühen bei Anwendung sowohl von comprimirter,als verdünnter Luft, trotz heftigster Gluth, stets eine grosse Menge un-zersetzter Substanz zurückblieb 3 ). Die alkalischen Fluorüre könnennun wegen der. Unlöslichkeit des Fluorcalciums mit Aetzkalk zersetztwerden, oder nach einem Verfahren, welches sich W. Kessler 4 )zur Darstellung von Soda aus Kochsalz mittelst Kieselflusssäure hatpatentiren lassen," mit kohlensaurem Kalk selbst sich umsetzen. Schon' durch Kochen mit Kreide wird das Fluornatrium oder -kalium in Sodaresp. Potasche übergeführt, wobei Fluorcalcium als Nebenproduct er-halten wird, welches wiederum zur Bereitung von Kieselfluorwasserstoff-

*) Diese Mittheilungen verdankt der Berichterstatter der Freundlich-keit des Hrn. Dr. Bothe, jetzigen Directors der Gewerbeschule zu Görlitz.

2 ) Balard a. a. O. 3 ) Brief!. Mittheilung des Hrn. Dr. Bothe.

*) A. W. Hof mann, Reports by the Juries, London 1863, 30; "Wagn. Jali-

resber. 1863, 228.