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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Siliciumverbindungen. 319

säure benutzt wird. Selbst das ungeglühte Kieselfluornatrium lässtsich nach lteseler durch Kochen mit Kreide in Soda überführen.

Die Zerlegbarkeit der Chloralkalien durch Kieselflusssäure unddie Darstellung von kaustischem und kohlensaurem Alkali aus demKieselfluornatrium und -kalium ist nichts Neues. Im Jahre 1837 schonwurde den Chemikern Spilsbury und Maugham für England eineMethode der Sodagewinnung mittelst Kieselflusssäure und Kochsalzpatentirt. Auch Anthon fand bei Versuchen im Jahre 1840 dasVerfahren gut und billig. Ebenso verwendeten Lechatelier undKessler im Jahre 1858 die Kieselflusssäure mit Erfolg zur Soda-fabrikation. Immerhin gebührt Tessie du Motay das Verdienst,die Fabrikation der Kieselflusssäure zuerst in grossem Maassstabeausgeführt zu haben.

Die Darstellung der ätzenden und kohlensauren Alkalien ist nichtder einzige Nutzen, den die Kieselflusssäure der Industrie bringt.

Das Kieselfluorkalium an sich ist eine sehr geeignete Verbindung,in welcher Kali, dieses werthvolle Nahrungsmittel der Pflanze, derselbenzugeführt werden kann. Die Kieselflusssäure ist auch zum Aufschliessender Knochen, der Phosphorite, der Sombrerite in der Fabrikation derkünstlichen Dünger vorgeschlagen worden.

Die Kieselflusssäure könnte auch für die Zuckerfabrikation vongrosser Wichtigkeit werden. Die Salze, besonders die Alkalisalze, welchein der Melasse enthalten sind, bilden eines der Hindernisse der Gewinnungdes in der Melasse enthaltenen krystallisirbaren Zuckers. WieV. Kletzinsky 1 ) und später Marix vorgeschlagen haben, könnendiese Salze zweckmässig durch Kieselflusssäure entfernt werden. NachMarix 2 ) ist die Melasse mit soviel Wasser zu verdünnen, dasssie die dickliche Beschaffenheit verliert. Sodann wird sie mit der ange-messenen Menge Kieselflusssäure vermischt, worauf die Alkalien all-mählich sich als Kieselfluormetalle abscheiden. Die von dem Nieder-schlag getrennte Flüssigkeit wird, um etwa überschüssig zugesetzteSäure abzustumpfen, mit Kreide behandelt und dann nochmals filtrirt,worauf man sie zur Gewinnung des Zuckers in gewöhnlicher Weiseweiter behandelt. Dies Verfahren kann auch bei dem Saft der Rübenund des Zuckerrohrs entweder vor oder nach der Läuterung ange-wendet werden. Wegen der Kostspieligkeit der Kieselfluorwasserstoff-säure sind diese Vorschläge nur an wenigen Orten zur Ausführunggekommen. Im Augenblick wird die Kieselfluorwasserstoffsäure in derZuckerindustrie nicht mehr angewendet.

Combe und Wright 3 ) empfehlen die Anwendung der Kiesel-

9 Kletzinsky, Mittheil, aus dem Gebiete der Chemie, Wien 1865,47; Wagn. Jahresber. 1865, 495. 2 ) Marix, Annal. du Gönie civil, Avril

1869,299; Bull. Soc. Chim. 1869, 346; Wagn. Jahresber. 1869,417. 3 )F.Combeu. J. Wright, Genie industriel, Janv. 1864, 50; Wagn. Jahresber. 1864, 310.