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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Siliciumverbindungen.

Circulation eine möglichst concentrirte Säure erhalten wird. EinRührapparat, der sich mit grosser Geschwindigkeit bewegt und das Wasserin Tröpfchen zertheilt, wird die Zersetzung erleichtern und mit Vortheildie Glasplatten ersetzen. Es ist nicht wohl möglich, eine Säure vongrösserer Dichtigkeit als 10° B. darzustellen; für die technische Ver-wendung begnügt man sich mit einer Säure von 5° B. Eine Säurevon 10° B. oder 1'072 Vol.-Gew. enthält nach Stolba 1 ) nahezu 9 p. C.2IIF, Si F 4 ; eine solche von 5° B. oder 1'034 Vol.-Gew. 43 p. C.2HF,SiF 4 . 100 1 einer solchen Säure sind 9 Kg Kammerschwefel-säure äquivalent. Da ihr Herstellungspreis mindestens 2 Francsbeträgt und derjenige der Schwefelsäure sich auf ungefähr 50 Cent,beläuft, so leuchtet es ein, dass die Kieselflusssäure, da sie viermaltheurer als Schwefelsäure ist, niemals wegen ihrer Eigenschaft alsSäure im Allgemeinen Verwendung finden kann, sondern nur wegenihrer besonderen Eigenschaften 2 ).

Tessie du Motay hatte sich zur Ausbeutung seiner Ent-deckung mit dem Fabrikbesitzer E. Kar eher in Saarbrücken ver-bunden. Beide associirten sich noch mit anderen Industriellen, undnachdem Ferd. Bothe den Process einer sorgfältigen wissenschaft-lichen Prüfung und Durcharbeitung unterzogen hatte, wurde eine Fabrikin der Nähe von Saargemünd, bei Grossblittersdorf-Welferdingen a. d.Saar, errichtet, in welcher nach der eben angegebenen Methode biszum Kriege von 1870/71 gearbeitet wurde. Die Wichtigkeit des be-schriebenen Fabrikationszweiges wurde bei Gelegenheit der PariserAusstellung von 1867 durch Verleihung der goldenen Medaille an Tessiedu Motay anerkannt 3 ).

Der Betrieb der erwähnten Fabrik ist freilich seit dem grossenKriege, während welcher Zeit dieselbe still stand, nicht wieder aufge-nommen worden, und hieran sind die Zeitverhältnisse nicht alleinschuld das Verfahren selbst zeigte sich bei der Anwendung imGrossen noch mancher Verbesserungen bedürftig. Es stellte sich heraus,dass die Zersetzung des Fluorsiliciums durch Wasser durchaus nichtvollständig erfolge, wodurch sowohl beträchtliche Verluste hervorgerufenwurden, als auch Verdriesslichkeiten mit der Nachbarschaft entstanden.Ferner tritt bei dem Process Fluorwasserstoffsäure auf, welche trotzlängerer Einwirkung auf die Kieselsäure aus der wässerigen Säurelösungnicht vollständig zu entfernen ist und bei der Hauptanwendung derKieselflusssäure, der Zersetzung des Chlorkaliums und Chlornatriumsüberaus störend ejnwirkt. Endlich und dies ist das Haupthinderniseiner erfolgreichen Fabrikation der Säure zeigte sich, dass das bei

] ) Stolba, Journ. f. prakt. Chem. LXXXIX, 129; XC, 193. 2 ) Balard,

Rapports du Jury international; Paris 1868, t. VII, 136. 3 ) Wagn,

Jahresber. 1868, 265.