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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Silicium Verbindungen. 309

in <Jem Gefässe zu Boden senkten, dort verhärteten und sieb dann nichtmehr in dem Wasserglase aufrühren Hessen.

Wenn auch noch manche Schwierigkeiten in der Handhabung derWasserglasfarben zu überwinden sind, so scheint ihre Bedeutung fürdie Bautechnik doch immer mehr zuzunehmen.

So fabricirt die Gesellschaft, welche die Zinkgruben Vieille Mon-tagne bei Aachen ausbeutet, seit Kurzem Wasserglas und Wasserglas-farbe in grossem Maassstabe zu diesem Zwecke. Sie bringt eineWasserglaslösung unter dem Namen Silicat und eine gelblich weisseFarbe für Anstriche -an Hausern u. s. w. in den Handel. Diese scheintnichts anderes zu sein, als natürlicher Galmei, der mit dem ihn beglei-tenden Gestein gemahlen und so weit erhitzt ist, dass nur das Zinkcar-bonat seine Kohlensäure verloren hat, nicht auch der kohlensaure Kalk.Das Wasserglas der etwa 30grädigen Silicatlösung besteht aus 6705 p. C.Kieselsäure, 29'40 p. C. Kali und 3'55 p. C. Natron. Dieselbe Gesell-schaft stellt für Bauten Zinkornamente her, welche, mit Wasserglas-färben bemalt,, vollkommen allerlei Bausteine nachahmen 1 ).

Nicht nur zur Conservirung mineralischer Körper findet dasWasserglas Verwendung, auch für organische Körper strebt es den-selben Zweck zu erfüllen; so ist es besonders für Holz, Leinewand u. dgl.ein - kräftiges Schutzmittel gegen das Feuer. Man kann als solchesnatürlich auch die Wasserglasfarhen verwenden und so dem Holz einenbeliebigen Anstrich geben. Die mineralische Oberfläche, welche dasHolz dadurch eihält, erschwert seine Entzündung in sehr erheblichemGrade. Wenn allerdings die Hitze so intensiv geworden ist, dass diegasförmigen Producte der trockenen Destillation des Holzes die Silicat-hülle durchbrechen, so hört der Schutz derselben auf. Immerhin istdie Behandlung von Holzconstructionen u. dergl. mit Wasserglas demImprägniren mit Chlorzink, das zu gleichem Zwecke wohl angewendetwird, vorzuziehen; denn hei noch nicht sehr erheblicher Erhitzungverflüchtigt sich Chlorzink, dessen Dämpfe den Aufenthalt in der At-mosphäre der Umgebung unmöglich machen, so. dass an ein Löschenund Retten in der Nähe nicht zu denken ist. Als Schutzmittel gegenFeuer diente der Wasserglasanstrich zuerst beim Münchener Hof-theater. Leider hat eine derartige Behandlung noch wenig Einganggefunden, sie bedarf auch in der technischen Ausführung noch derVervollkommnung, so dass noch immer solche Verluste durch Feuers-brunst zu beklagen sind, wie die der Pariser Grossen Oper und desDresdener Hoftheaters.

Noch in einer anderen Weise ist das Wasserglas für die Technikdes Holzes von Wichtigkeit. Das Holz wird durch Behandeln mit Salz-

H Briefliche MittheilunE- von Kulilmann. Versl. auch Wagn. Jahres-ber. 1873. 525.