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308 Gruppe III. Chemische Industrie.
angebracht. Ferner sind, besonders vom Maler Echter, Staffelei-gemälde auf Thonplatten stereochromisch ausgeführt worden. In diesenFällen wurden meist die Farben mit der Wasserglaslösung vermischt.Ebenso wird in neuester Zeit, wie Gr. Feichtinger 3 ) mittheilt,bei der Ausmalung des Kaiserhofes der königl. Residenz in Münchenverfahren. Da sich an diesem Orte ein vor vielen Jahren stereochro-misch .übermaltes Stück einer Wandfläche so besonders gut erhaltenhatte, so entschloss man sich, sämmtliche Wände des Kaiserhofes ingleicherweise zu behandeln. Die Ausführung ist dem Hofdecorations-maler August- Schulz e übertragen und vor Kurzem vollendet worden.Die Wasserglaslösung, welche dabei zum Verdünnen der Wasserglas-farben verwendet wurde, bestehtnach Feichtinger aus 66'14 p.C.Kieselsäure, 25'64 p. C. Kali, 8'22 p.C. Natron, wobei von einigen un-wesentlichen Verunreinigungen abgesehen ist. Die mit Wasserglas-lösung angeriebenen Farben sind von dicker Consistenz. Das Wasser-glas derselben besteht nach Abzug von etwas Kaliumsulfat und Chlor-natrium aus 51'79 p.C. Kieselsäure, 39'05 p.C. Kali und 9'16 p.C.Natron, enthält also weniger Kieselsäure und mehr Alkali als dasVerdünnungswasserglas. Feichtinger glaubt, dass dies der Fallsei, damit das den Farben zugesetzte Wasserglas nicht so rasch durchdie Einwirkung der Kohlensäure der Luft zersetzt und daraus gallert-artige Kieselsäure abgeschieden werde. Ganz lässt sich dies aber beilängerem Aufbewahren im Laufe der Zeit nicht verhüten, wenn mannicht die Luft vollständig abschliesst.
Bei der Maltechnik mit Farben, die von vornherein mit Wasser-glaslösung vermischt sind, werden dieselben vor ihrer Anwendung soweit mit Wasserglaslösung verdünnt, dass sie mittelst eines gewöhn-lichen Pinsels aufgetragen werden können. Der Grund ist gewöhnlicherKalkmörtel. Der Bewurf darf aber nicht frisch sein, sondern soll schonlängere Zeit hindurch der Luft ausgesetzt gewesen'sein, weil der Aetz-kalk das Wasserglas zu rasch zersetzt. Es eignet sich daher hierzu inhohem Grade eine alte Kalkwand. Vor dem Malen wird die Wandmit reinem Kaliwasserglas getränkt; Natronwasserglas verursacht starkeAuswitterungen. Ein solcher Wasserglasanstrich ist billiger als einOelanstrich und' besitzt eine viel grössere Dauer. Dazu kommt noch,dass man eine damit bemalte Waud von dem anhängenden Schmutzleicht durch Waschen mittelst eines Schwammes reinigen kann.
Es dürfte sich empfehlen, die trockenen Farben erst kurz vordemGebrauch mit Wasserglas anzureiben, da es vorgekommen ist,'dassiinGemengen von Wasserglas und Mineralfarbstoffen diese sich allmählich
3 ) Veiclitinger, Industrie- u. Gewerbeblatt 1873, 222; Wagn. Jnhresber.1873, 523.