307
Silicmmverbindungen.
im Lichte schwarz, Kobaltultramarin zeigt sich nach dem Fixirenmerklich heller; beide Körper können daher in der Stereochromie keineVerwendung finden.
Es hat seine Schwierigkeit, das Wasserglas in der Weise zu ver-wenden wie das Oel in der Oelmalerei. Die Farben stocken auf derPalette und machen den Pinsel steif. Indess kann man den noch nichttrocknen Pinsel in reines Wasser stellen und so weich erhalten; denFarben auf der Palette kann man von Zeit zu Zeit einen TropfenWasser zusetzen. Das erste Bild, welches überhaupt mit.Hilfe vonWasserglas gemalt worden ist, hat Kaulbach in dieser Weise ange-fertigt. Es ist ein . auf einem Backstein gemalter Engelskopf. Dasselbehat trotz aller Unbilden der Witterung, denen es ausgesetzt war, seineFrische bewahrt; es wird im chemischen Laboratorium der UniversitätMünchen aufbewahrt. An der Aussenseite desselben Laboratoriumsbefinden sich noch zwei Landschaften: „Der See Genezareth“ und „Dastodte Meer“, vom Maler Löffler, sowie zwei allegorische Figuren:„Die Chemie“ und „Die Agricultur“, vom Maler Thiersch, ausdem Jahre 1857. Bei denselben sind die Farben durch Fixirungs-wasserglas fixirt. Kuhlmann 1 ) in Lille empfiehlt es, mit den Farbenzugleich die Wasserglaslösung aufzutragen.
Die Stereochromie ist wegen des ihr eigenthümlichen Bindemittels,des Wasserglases, eine von den anderen Malarten ganz verschie-dene Art von Malerei. Ihr Hauptwerth beruht in dem Malgrunde,wodurch sie fähig ist, unter jedem Himmelsstriche auszuhalten undvielen sonst schädlichen Einflüssen —Bauch, sauren Dämpfen, undplötzlichen starken Temperaturunterschieden, Hagel u. s. w. —■ zuwiderstehen. Das Wasserglas, welches die Farben mit dem Malgrundgewissermaassen verschmilzt und verkieselt, macht sie der Frescomalerei,bei welcher der Grund aus gewöhnlichem Kalkmörtel besteht, entschiedenüberlegen. Ausserdem müssen bei dieser die Farben auf den frischenKalk aufgetragen werden, welcher daher mosaikartig nach und nachauf die Wand gebracht wird und in solcher Dimension, -dass ein Stückohne Unterbrechung fertig bemalt werden kann, während bei derStereochromie der Künstler seine Arbeit verlassen kann, so oft er will.Während Frescogemälde in unserem Himmelsstriche bald ihr jungfräu-liches Ansehen verlieren — ich erinnere z. B. an die Kaulbach’schenFresken an der Aussenseite der neuen Pinakothek zu München ■—■ ver-mag die schlechteste Witterung stereochromischen Gemälden kaumetwas anzuhaben. .
Man hat auch stereochromiscbe Gemälde an der Aussenseite ältererGebäude, die mit Mörtelbewurf schon versehen waren, bei denen alsoder oben beschriebene Malgrund nicht hergestellt wurde, mit Erfolg
20 *
1 ) Wiecks 111. deutsche Gewerbeztg. Jalirg. 1860, 88.