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Gruppe III. Chemische Industrie.
Wasserglas auf die Fläche gespritzt wird. Es muss dasselbe angespritztwerden, da die Farben, welche nur schwach haften, den Gebrauch einesPinsels nicht gestatten. Es geschieht das Anspritzen mittelst einervon Schlotthauer erfundenen und von v. Pettenkofer ver-besserten Staubspritze, welche die Wasserglaslösung zu einem feinenRegen oder Staub vertheilt. Sind die Farben gut fixirt, so ist dasGemälde fertig. Diese Methode ist besonders von v. Kaulbach ent-wickelt worden; das Hauptwerk des unvergleichlichen Meisters, diegrossen Wandgemälde im Treppenhause des neuen Museums zu Berlin,ist in stereochromischer Manier hergestellt.
Als Malgrund empfiehlt v. Fuchs an die Stelle des gewöhnlichenMörtels einen Wasserglasmörtel zu setzen, der aus einem Gemenge vonWasserglaslösung mit gepulvertem Marmor, Dolomit, Quarzsand undan der Luft zerfallenem Kalk besteht.
Ein solcher Wasserglasmörtel, der mit Vortheil zur Herstellungeines bis ins Innere gleichmässigen Untergrunds dient, wird nachH. Wagner 1 ) in folgender Weise dargestellt. |10 Gewthle. scharfgetrockneter Sand und 3 Gewthle. an der Luft zerfallener Aetzkalk (denman am besten erhält, wenn man frisch gebrannten Kalk mit so vielWasser bespritzt und häufig umarbeitet, bis er zu einem feinen Pulver zer-fallen ist) werden mit 2 Gewthln. Kreide oder Kalksteinpulver gleichmässigtrocken gemengt und durch ein mittelfeines Sieb geschlagen. Diese Mi-schung wird sodann mit 33grädiger Natronwasserglaslösung, die mit2 Gewthln. Wasser verdünnt ist, derart zu einem plastischen Teig verarbei-tet, dass er wie gewöhnlicher Mörtel zum Verputz verwendet werden kann.Dieser Mörtel leistet auch beim Ausfugen von Backsteinmauern undüberall da, wo es gilt, gegen Luft und Feuchtigkeit zu schützen, guteDienste. Durch Abänderung der Zusatzmenge von Sand oder Kreide,durch mehr oder weniger starke Concentration der Wasserglaslösungkann man die Eigenschaften des Mörtels etwas modificiren. Nach demAustrocknen, was in wenigen Tagen stattfindet, wird er steinhart undsoll nun mitNatronwasserglaslösung, die zu diesem Zwecke das theurereKaliwasserglas zu ersetzen vermag, wiederholt bespritzt werden.
Was die Farben in der Stereochromie betrifft, so ist zu bedenken,dass diejenigen Farbstoffe, welche durch Alkalien verändert werden,auch durch Wasserglas zersetzt werden. Als stereochromische Farbensind zu verwenden: Zinkweiss (nach Kuhlmann auch zusammenmit Permanentweiss), Chromgrün (Chromoxyd), Kobaltgrün (Rinmann’sGrün), Chromroth (basisches Bleichramat), Mennige, Zinkgelb, Eisen-oxyd (hellroth, dunkelroth, violett und braun), Schwefelcadmium, Ultra-marin, Ocker, Manganoxyd, Terra di Siena, Umbra etc. Zinnober wird
!) H. Wagner, Hess. Gewerbebl. 1872, 230; Wagn. Jahresber. 1872,