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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

er die Saat durchströmt hat, oben abfliesst, um in das folgende Ex-tractionsgefäss unten einzudringen und so weiter. Aus dem letztenfliesst eine sehr concentrirte Oellösung ab. Da die Gefässe indessenwegen des mangelhaften Deckelverschlusses keinen Druck vertragen,so geht die Bewegung der Flüssigkeit sehr langsam von Statten undbei der geringsten Stockung fliesst ein Gefäss über. Um das zu ver-meiden, ist sehr viel Aufmerksamkeit nothwendig.

In Deutschland wurde der Schwefelkohlenstoff früher vorzugsweisezur Extraction des Rapses benutzt. Im Jahre 1868 hat sich der Verfassermit Versuchen im Grossen beschäftigt, die Pressrückstände einerOelfabrik, welche Palmkerne verarbeitete, zu extrahiren. DieseRückstände enthielten noch 25 p. C. Oel, so dass diese Fabrikation einelohnende zu werden versprach.

Gleich beim Beginn der Arbeit stellte sich heraus, dass dergrösste Werth auf die Art der Zerkleinerung zu legen ist. Die Früchtedürfen nicht, 'wie dies zum Pressen am vortheilhaftesten ist, in einenmehlartigen Zustand gebracht werden, sondern am besten in einenwolligen, so dass die ursprüngliche Structur möglichst zerstört, aberder Zusammenhang der Theile nicht ganz aufgehoben ist, damit sowohlder Schwefelkohlenstoff als auch der Dampf überall durchdringenkann. Mehl lässt wohl den Schwefelkohlenstoff durch, aber nachherkeinen Dampf.

Bei Raps, Rübsen und dergleichen kleinen Samen gelingt diesmittelst einfachen Passirens durch eine Quetsche, wie sie in jeder Oel-mühle vorhanden ist, bei Palmkernen stösst man indessen auf grössereSchwierigkeiten. Früher liess man die Kerne vier Zerkleinerungsmaschinenhinter einander durchlaufen: zuerst ein sehr grob geriffeltes Walzwerk,dann eine excentrische Mühle, dann noch zwei Paar Quetschwalzen; aberselbst das so mühevoll gewonnene Schrot ist nicht von der besten Be-schaffenheit, es enthält einerseits zu viel Mehl, andererseits fast 10 p. C.Stückchen 1 ), welche, da ihre Structur unverändert ist, das Fett nurschwierig abgeben und deshalb ein langsames Extrahiren bedingen.

Neuerdings erlangt Verfasser ein ganz vorzügliches, wolligesSchrot mit Hülfe von nur zwei Walzwerken, welche er jedoch zudiesem Zwecke besonders construirt hat, und mit denen er in zehnStunden über 5000 Kg Kerne zerkleinert.

Schliesslich sei es noch gestattet, die Extractionsvorrichtungenetwas eingehender zu beschreiben, welche Verfasser in der Fabrikder Gebr. Braun, Moabit bei Berlin anwendet, um in 12 Arbeits-stunden 5000 Kg Palmkerne zu extrahiren. Dieselben bestehen aus:1) einem liegenden cylindrischen Reservoir, welches das ganze in Arbeit

- 1 ) Diese Stückchen werden zum Verfälschen des Pfeifers und anderer Ge-würze benutzt, deren Structur sie täuschend wiedergeben.