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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Die Schwefelkohlenstoff Industrie. 271

über Pivers Anwendung yon Millons Verfahren, den Duft derBlumen mittelst Schwefelkohlenstoff zu extrahiren *).

Im Jahre 1865 strengte Deiss 2 ) einen Process an gegen Deprat,welcher trotz Deiss Patent die Extraction von Olivenpresslingen begon-nen hatte. Deiss verlor bei dem Gerichte in Aix; er wurde abgewiesen,weil das Gericht Deprats Behauptungen gelten liess, dass sein Ap-paratverschieden von dem Deisssehen sei, dass Deiss seinen eigenenApparat nicht einmal selbst erfunden habe, sondern dass ein solcherschon 1850 von Payen öffentlich beschrieben worden sei. Trotz derfür Deiss günstigen Zeugnisse von Barral, Dumas und Payen 3 ),welche ihn für den intellectuellen Urheber der Schwefelkohlenindustrieerklärten, wurde 1856 in Toulon in zweiter Instanz das Urtheil desGerichtshofs in Aix bestätigt und Deiss hat seitdem aufgehört fürFrankreich monopolisirt zu sein.

In Deutschland hat in den letzten zehn Jahren Heyl in Berlinsich am meisten um die Verbreitung der Extraction mit Schwefel-kohlenstoffbemüht; ausser seiner eigenen Fabrik in Berlin hat er nochvier Fabriken auswärts eingerichtet, welche von Anderen betriebenwerden.

Heyls Apparat, welcher wie der Löwenbergsehe ziemlichcomplicirt ist, hat achtExtractionsgefässe von Gusseisen. Dieselben sindzum Zwecke des Entleerens zum Kippen eingerichtet. Weil dabeisämmtliche Rohre abgeschraubt werden müssen, so ist es, da die Rohreim Innern stets mit Schwefelkohlenstoff benetzt sind, nicht zu vermeiden,dass die damit betrauten Arbeiter fortwährend dem Einathmen geringerMengen von Schwefelkohlenstoffdampf ausgesetzt sind. Auch der Ver-schluss der Gefässe lässt Vieles zu wünschen übrig. Die Deckel der Extrac-tionsgefässe werden nämlich durch 12 Klammerschrauben aufgepresst,welche eine zwischen den Metallflächen liegende Hanfflechte zusam-mendrücken; auf diese Weise sind die Gefässe wohl dicht fürWasserdampf, aber durchaus nicht für Schwefelkohlenstoff und Luft.Damit nun die Luft in der Fabrik nicht allzu sehr mit Schwefelkohlen-stoffdampf beladen wird, ist ein am höchsten Punkte des Deckels be-findlicher Hahn, welcher mit einem ins Freie führenden Rohre ver-bunden ist, stets offen, so dass im Gefäss nicht der geringste Druckentstehen kann. Dieser Lufthahn wird nur geschlossen während desAbtreibens des betreffenden Extractionsgefässes. Dass dadurch ein er-heblicher Verlust an Schwefelkohlenstoff entsteht, giebt sich an derMündung des Rohres direct zu erkennen.

Die Extraction selbst geschieht rationell in der Art, dass derSchwefelkohlenstoff in ein Extractionsgefäss unten eintritt, nachdem

J ) Barreswil, Ann. du Cons. des arts et mütiers IV, 273. 2 ) Dieu-

lafait, Monit. scientif. 1865, 298; Wagn. Jahresber. 1865, 559. 3 ) Monit.

scientif. 1866, 329; Wagn Jahresber. 1866, 486.