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Gruppe III. Chemische Industrie.
Mit denselben Apparaten hat Verfasser Putzlappen, Raps undPalmkerne extrahirt, versuchsweise auch rohe Wolle, Garn, Ricinus-samen, Cocosnüsse, Knochen und noch andere Substanzen.
Bei der sonst üblichen Art, die fettigen Wollabfälle und Putzlappenzu reinigen, wonach sie mit Seife, oder Soda, oder Ammoniak, oder Walk-erde gewaschen werden, geht der gesammte Fettgehalt, welcher 25 bis50 p. C. beträgt, verloren und die sehr unreinen Waschwasser verderbendie Bäche und Flüsse; es wäre also auch im Interesse der öffentlichenGesundheitspflege, wenn die Extraction allgemein eingeführt würde.
In das Jahr 1863 fallen ausserdem die Beschreibungen der Appa-rate von Boniere 1 ) zur Extraction von Olivenpresslingen, sowie desoben besprochenen Apparats von Lunge, der Bericht über Heyl’s 2 )Extraction von Riiböl in Stargard und der Bericht Payen’s überden Apparat von Moison zur Extraction von Wolle. Der Apparatvon Moison 3 ) erscheint als eine Nachbildung eines solchen von D eis s 4 * ).Ein einziges Extractionsgefäss extrahirt von Unten nach Oben; der inder Wolle hängende Schwefelkohlenstoff wird mit warmer Luft abge-trieben. Die so behandelte Wolle wird aber hart und gelb. Daranist indessen der Schwefelkohlenstoff nur zum Theil schuld, denn Schaf-wolle wird auch ohne Gegenwart von Schwefelkohlenstoff vollständigverdorben, wenn sie stundenlang heisser trockner Luft — Moisonwendet sie von 70 bis 80° an — ausgesetzt wird 6 ).
Auf andere Körper, wie Knochen z.B., welche solche Procedur ertragenkönnen, ist das Verfahren wohl eher anwendbar, aber immer kostspielig,da man wegen der geringen Volum wärme der Luft sehr grosseMengen derselben anwenden muss. Steigert man die Temperatur derLuft über 100°, so ist die Sache sehr feuergefährlich. Obgleich, wie be-merkt, nach des Verf. Versuchen die Entzündungstemperatur des Schwefel-kohlenstofifdampfes in Glasgefässen bei 170° C. liegt, so erfolgte doch beigänzlicher Abwesenheit von Feuchtigkeit in den nur auf 130° erwärmtenKörpern Selbstentzündung, als er im Grossen versuchte, eine ArtPalmkerne, welche nach’ dem gewöhnlichen Verfahren nicht extrahirtwerden konnten, nach dem Verfahren von Deiss zu behandeln.
Im Jahre 1864 erstattete Barreswil einen günstigen Bericht-
J ) Boniere, G4nie industriel, Mai 1863, 259; Dingl. pol. J. CLIX, 69;
Wagn. Jaliresber. 1863,562. 2 ) Heyl, Polyt. Centratbl. 1864, 414. s ) Payen,
Annales du Conservatoire des arts et mdtiers III, 55; Dingl. pol. J. CLXX,
290; Chem. Centralbl. 1864, 330. 4 ) Deiss, Wagn. Jaliresber. 1857, 108.
6 ) Die Angabe von E. Jacobson (Industriebl. 1867, 77), dass in Belgien dieEntfettung ordinärer überseeischer Wolle mittelst Schwefelkohlenstoff allge-mein ausgeführt werde, beruht unzweifelhaft auf einem Irrthum. Eine Eabrikzu Elbeuf, welche nach dem oben beschriebenen Verfahren von Moisonarbeitete, musste nach 18 Monaten den Betrieb einstellen. Vergl. briefl. Mit-theil. von Hartmann an Wagner, Wagn. Jahresber. 1860, 617.