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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Die Scliwefelkohlenstoffindustrie.

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weil Löwenberg das Dampfrohr am Boden der Extraetionsgefässemünden liess. Das Erwärmen der Gefässe von aussen ist fast ganzohne Wirkung, weil Saatrückstände, Wolle und dergleichen sehrschlechte Wärmeleiter sind, und die Luftpumpe konnte deshalb auchNichts nützen. Es kochte wohl der Schwefelkohlenstoff auch imInnersten der ganzen Masse, wenn die Luftpumpe anfing zu wirken,dadurch fiel aber die Temperatur im Innern schnell unter den Gefrier-punkt. Verfasser hat diesen Versuch im Grossen angestellt. Nachdemdie Luftpumpe ungefähr eine Stunde im Gang gewesen, fand er dieWolle im Kessel zu einem grossen Klumpen zusammengefroren. DerVersuch verlief in der That genau der Theorie entsprechend.

Um den Schwefelkohlenstoff aus einem Gefäss, welches etwa 250 KgRaps enthielt, vollständig auszutreiben, genügten Löwenberg 12, ja24 Stunden nicht. Schon nach zwei Stunden ist aber der Rückstandals Viehfutter unbrauchbar.

Die grosse Anzahl der Gefässe erlaubte Löwenberg nur ganzconcentrirte Oellösungen zu destilliren und alle verschiedenen Opera-tionen gleichzeitig vorzunehmen; der Gasometer diente dazu die auseinem Gefäss ausgepumpte schwefelkohlenstoffhaltige Luft aufzunehmen,um sie später wieder in dasselbe oder ein anderes Gefäss treten zulassen, je nach Bedarf. Dass es möglich ist, diesen Zweck auch ohneGasometer zu erreichen, werden wir sogleich sehen.

Um dieselbe Zeit (1862) begann Verfasser die Extraction, zuerst vonfettigen Wollabfällen. Er legte den Hauptwerth auf rationelle Arbeitund trachtete erst, nachdem er das Ziel mit complicirten Apparatenerreicht hatte, nach Vereinfachung derselben. Die Schwierigkeit derExtraction besteht hauptsächlich darin, den Schwefelkohlenstoff, welcherdie Abfälle benetzt, wenn das Oel entfernt ist, wiederzugewinnen, ohnedie Wolle zu gefährden. Heisse trockene Luft macht die Wolle hartund spröde, Dampf verfilzt, aber heisse Luft, wenn sie feucht ist,schadet der Wolle, namentlich gefärbter, nicht. Der Verfasser wandte des-halb eine Mischung von Dampf und Luft an, wodurch ein sehr be-friedigendes Resultat erzielt wurde. Natürlich liess er Dampf undLuft am oberen Ende des Kessels in die Wolle eintreten, so dass derspecifisch schwere Schwefelkohlenstoff nach unten zur Kühlung ent-weichen konnte und ein Extractionsgefäss von circa 1 m Höhe in 30Minuten von Schwefelkohlenstoff befreit war.

Ausserdem ist es dem Verfasser gelungen, das Verfahren soweitzu verbessern, dass gar keine mit Schwefelkohlenstoff beladene Luftmehr entweicht, so dass der Verbrauch von Schwefelkohlenstoff einsehr geringer ist (auf 100 Kg Wollabfälle 0'25 Kg). Dieses Verfahren,den Schwefelkohlenstoff aus der Luft wiederzugewinnen, hat er auchin anderen Fabriken mit Vortheil eingeführt.