Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

254

Gruppe III. Chemische Industrie.

industriellen Process, durch welchen der Graphit in den Zustand fein-ster Yeitheilung übergeführt wird.

Später hat sich Hr. Gottschalk *) mit demselben Gegenstandbeschäftigt und ist zu Resultaten gelangt, die zum Theil mit den vonBrodie erhaltenen nicht übereinsthranen. Nach jenem Chemikerkann dem durch Einwirkung des obigen Oxydationsgemisches auf Gra-phit erhaltenen Product in der That durch Kochen mit Alkali dieSchwefelsäure nicht entzogen werden; dennoch soll diese nur durchsogenannte Flächenwii'kung zurückgehalten werden. Es gelang Hrn.Gottschalk durch anhaltendes Kochen mit Wasser die Schwefelsäurevollständig zu entfex-nen und nach wiederholter Behandlung des Kör-pers mit Schwefelsäure und Auswaschen endlich ein Product zu erzie-len , das beim Erhitzen sich nicht mehr aufblähte. Auch hier bliebschliesslich Graphit im Zustande äusserster Desaggregation zxirück.

Hi'. Brodie behandelte den Graphit axxch mit einem Oxydations-mittel, das keine Schwefelsäure enthielt. Er wählte dazu ein Gemischvon Kaliumchloi-at und rauchender Salpetei'säure. Durch wiederholtesBehandeln von Graphit mit dieser Slischung erhielt er einen aus kleinengelben, glänzenden Krystallschuppen bestehenden Körper, der die Eigen-schaften einer Säxiie zeigte. Er wird Graphitsäure genannt.

Das Studium der Oxydationsproducte der verschiedenen Graphit-sorten führte Hxm. Berthelot 3 ) dazu, drei wesentlich von einanderverschiedene Ax-ten von Graphit zu xxnterscheiden. Er oxydirte dieGraphite in der Weise, dass er sie fein gepulvert nxit dem fünffachenGewicht Kaliumchlorat mischte und. nach und nach rauchende Salpe-tersäure hinzufügte. Darauf wurde das Ganze einige Tage lang auf 50bis 60° erwäimt und sodann mit Wasser behandelt. Diese Reihe vonOperationen wird fünf-, sechsmal wiederholt. Eine jede Graphitsoitebildet ein besonderes Graphitoxyd, Hydrographitoxyd und Pyi'ographit-oxyd. Hi. Berthelot gebraucht nicht die Bezeichnung Graphitsäure,da diese Körper keine Salze bilden. Nach ihm ist zu unteischeiden:

1. Natürlicher Graphit. Das davon sich ableitende Gra-phitoxyd bildet in feuchtem Zustande blassgelbe, glimmex-artige Flit-terchen, die in allen Lösuxigsmitteln unlöslich sind. Es verändert sich heifortgesetzten Oxydationsversuchen nicht weiter und enthält weder Chlornoch Stickstoff. Beim Trocknen häuft es sich zu braunen amorphen,zähen Platten zusammen. Beim Erhitzen zersetzt es sich unter Flam-menerscheinung. Bei mehrstündigem Ei-hitzen mit 80 Thln. Jodwas-serstoffsäui-e auf 280° wird es in eine wasserstoffi-eichere Vei'bindung,Hydrographitoxyd, veiwandelt. Dieses ist braun, amorph, ganz

Gottschalk, Journ. prakt. Chem. XCY, 321; Wagn. Jahresber.1865, 275. 3 ) Berthelot, Compt. rend. BXVIII, 183, 259, 334, 392 u. 445;

axxch Zeitsc.hr. f. Chem. 1869, 217 xmd Wagn. iahresber. 1809, 231.