Kohlenstoff, Graphit. 253
Graphit yon blätteriger Structur vor, so dass aus demselben keine Stiftegeschnitten werden können. Als man die Minen von Borrowdale undKeswick fast erschöpft hatte, war es daher als ein Ereigniss von tech-nischer Wichtigkeit zu begrüssen, dass Hr. W. Brockedon im Jahre1844 eine Methode angab, die Fragmente des blätterigen Graphits unddas Pulver der derben Varietät äusserst fein zu mahlen und das ange-feuchtete und luftfrei gemachte Pulver durch Anwendung eines bedeu-tenden hydraulischen Drucks in Blöcke zu pressen, welche ebenso hartund zusammenhängend waren, wie das derbe Mineral selbst.
Der wichtigste Schritt in der Graphitindustrie wurde aber zurück-gelegt, als Sir B. C. Brodie seine Untersuchungen des Graphits aus-führte, deren theoretische Resultate für die Wissenschaft nicht minderwerthvoll waren, als die praktischen für die Industrie.
Diese Untersuchungen führten Hrn. Brodie zu der Ansicht, dassder Graphit nicht sowohl eine allotropische Modification des Kohlen-stoffs, als vielmehr für ein besonderes Element anzusprechen sei J ).Er gehe andere Verbindungen als Kohlenstoff ein, und habe ein anderesAtomgewicht. Brodie weist ihm daher unter dem Namen Graphonoder Graphium seine Stelle neben den Elementen Silicium und Boran. Von den vielen Unterschieden, welche Kohle und Graphit in che-mischer Hinsicht zeigen, sei einer der hervorragendsten angeführt.
Wenn gewöhnliche Kohle mit einem Oxydationsgemisch, das auseinem Theil Salpetersäure und vier Theilen Schwefelsäure besteht, erhitztwird, so oxydirt sie sich schnell und es entsteht eine schwarze Sub-stanz , welche aus dem Säuregemenge durch Hinzufügen von Wasserzu fällen ist. Dieser Niederschlag ist nach dem Waschen und Trock-nen in sauren Flüssigkeiten und Salzlösungen nicht löslich, während ersich in reinem Wasser und in Alkali auflöst.
Wenn Graphit in der gleichen Weise behandelt wird, so nimmt ereine schöne Purpurfarbe an und zerfällt in der Flüssigkeit; er liefertso ein Product, welches nach dem Waschen mit Wasser das Aussehendes Graphits zeigt, aber eine dunklere Farbe angenommen hat. DieserKörper ist in allen Reagentien unlöslich. Neben Kohlenstoff enthälter Sauerstoff, die Elemente des Wassers und der Schwefelsäure. Letzterewird ihm selbst beim Kochen mit starker Kalilauge nicht entzogen.Sehr bemerkenswerth ist sein Verhalten, wenn er der Rothgluth aus-gesetzt wird. Die Masse schwillt dabei unter Entwickelung von Gasenrasch auf und zerfällt dann, wie dies schon von Schafhäutl, spätervon Mar ch an d 2 ) beobachtet worden war, in ein Pulver von äusserst feinzertheiltem Graphit. Auf diese Erscheinung gründet Hr. Brodie den
Vergl. A. W. Hofmann, Reports by the Juries, London 1863, 89;Wagn. Jahresber. 1865, 275. 2 ) Vergl. Journ. f. prakt.’Chem. XXXV, 320;
Wagn. Jahresber. 1865. 275.