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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Kohlenstoff, Graphit. 249

reiche Classe von Mineralien, Verbindungen, die oft ganze Gebirgeausmacken. Bei der Beschreibung derjenigen, welche von gewerb-licher Bedeutung sind, wird auch die Benutzung der Kohlensäure,wenn sie daraus technisch abgeschieden wird, Erwähnung finden.

An dieser Stelle betrachten wir ausser dem Kohlenstoff selbst dieVerbindungen des Kohlenstoffs mit den im Vorhergegangenen abgehan-dejten Elementen Schwefel und Stickstoff, den Schwefelkohlenstoffund das Cyan. Streng genommen müssten auch die Brennmaterialienbesprochen werden, allein aus den bereits angeführten Gründen ver-zichten wir hier auf diese Besprechung, ebenso auf die des Diamanten,dessen Bedeutung auf einem ganz anderen Gebiete als dem hier be-trachteten liegt, und behandeln hier nur den

Graphit. InBezug auf die allotropischeModification des Kohlenstoffs,welche uns hier interessirt, den Graphit, hat lange Zeit hindurch einegrosse mineralogische Unsicherheit geherrscht, die in Folge von Ver-wechselungen Veranlassung zu den verschiedensten Namen gegeben hat,von welchen einige heute noch gebräuchlich sind. Die Namen Reissblei,Plumbago, deuten darauf hin, dass man den Graphit für bleihaltigansah; Verwechselung mit Molybdänglanz gab ihm den Namen Was-serblei.

Der Graphit kommt in krystallinischen Gesteinen vor, besondersim Gneis, Glimmerschiefer, Urkalkstein, auch im Granit und Thon-schiefer. Er bildet in Lagern und Gängen abgerundete Massen, istauch schieferig oder säulenförmig gesondert. Berühmte Fundorte sindin England Borrowdale und Keswick in Cumberland. Die dortigen Minensind jetzt allerdings fast erschöpft; im sechszehnten und siebenzehntenJahrhundert warfen sie aber bei einer Arbeitszeit von nur 1 1 / 2 Monatenim Jahre nicht selten einen jährlichen Reingewinn von E 40 000ab. Es wurde dort nur während sechs Wochen im Jahre und unterBeobachtung aller nur denkbaren Vorsichtsmaassregeln gearbeitet, weileinst, wie berichtet wird, die Bergleute aus Raubgier sich in den Besitzder Minen gesetzt hatten, welche ihnen erst nach Aufbietung beträcht-licher militairischer Streitkräfte wieder entrissen werden konnten.In Deutschland und Oesterreich kommt der Graphit bei Passau (wo erDagl oder Tachel genannt wird), bei Schwarzbach 1 ) und Mugrau inBöhmen, an mehreren Orten Mährens, Niederösterreichs und der Steier-mark vor. Russland besitzt in Sibirien ausgedehnte Graphitlager, soam Jenisei und besonders in den Batougal-Bergen Südsibiriens, wo sieim Jahre 1847 von einem unternehmenden Franzosen, Hrn. Alibert,entdeckt wurden. Ausgezeichnet ist das Vorkommen des Graphits aufder Insel Ceylon.

*) Das dem Pürsten Schwarzenberg gehörende Graphitwerk Schwarz-bach producirt jährlich 180 000 Centner.