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232 Gruppe III. Cnemische Industrie.
masse für die gleiche Anzahl von Zündhölzchen beziehungsweise 1 Rrak.,2 Rmk. und 2 Rmk. 80 Pfg. kostet.
Die fabrikmässige Erzeugung dieser Gattung von Zündhölzchenbildet ohne Zweifel den grössten Fortschritt, der seit dem Jahre 1862in diesem Industriezweige gemacht worden ist, und es wirft sich jetztdie Frage auf, in wie weit es ernste Pflicht der Regierungen gewordenist, den zahlreichen und gewichtigen Stimmen Gehör zu schenken,welche seit Jahren, leider vergebens, die Entfernung des gewöhnlichenPhosphors aus der Zündwaarenindustrie befürwortet haben. HalbeMaassregeln, wie die Verbesserung der Ventilation in den Fabriken,das Verbot Leim zur Anfertigung der Masse zu nehmen, weil mitsolchen leimversetzten Massen warm gearbeitet werden muss, beseitigendas Uebel oft nur halb, oft gar nicht. Man hat die Gefahr für dieArbeiter dadurch zu vermindern gesucht, dass man den Gehalt derZündmasse an Phosphor auf ein Minimum herabzudrücken versuchthat. Von wie geringem Erfolge aber diese Bestrebungen bisher gewesensind, ergiebt sich schon aus dem Umstande, dass auch jetzt noch ineinzelnen Fabriken Massen mit einem Phosphorgehalte angewendetwerden, der den in Oesterreich üblichen, auch vollkommen ausreichenden,von 6 bis 7 p. C., weit übersteigt.
Dr. Letheby hat vorgeschlagen, Terpentinöl zur Absorption derPhosphordämpfe anzuwenden, und zu dem Ende trägt in der Fabrikvon Black & Bell zuStratford bei London, und seitdem auch in meh-reren Fabriken Deutschlands, jeder Arbeiter ein Gefäss mit Terpentinölauf der Brust. Aber auch dieser Vorschlag hat die schlimmen Folgender Phosphordämpfe keineswegs beseitigt, weil die Absorption durchdie Kleider und die Haut immer noch vorhanden bleibt. Auch ist esnoch eine offene Frage, ob die allerdings für den Geruch unmerklichgewordenen, aber gleichwohl immer noch vorhandenen Phosphordämpfedurch die Einwirkung des Terpentinöls wirklich unschädlich gewordensind. Wie oft schaden nicht derlei Palliative in Wirklichkeit mehrals sie nützen! Im besten Glauben haben sich die Betheiligten in Sicher-heit wiegen lassen, während die Gefahr unvermindert vorhanden ist J ).
Wenn Regierungen sich veranlasst finden, in einen technischenBetrieb einzugreifen, so muss dies jedenfalls mit grosser Vorsicht ge-schehen, weil durch ein unzeitiges Vorgehen einzelne Uebelstände leichtvergrössert statt vermindert werden können. Die Frage scheint aber,da die Methode Zündhölzchen mit amorphem Phosphor in vollendeterArt zu erzeugen nun gefunden ist, nicht anders zu liegen als die derBeseitigung des giftigen Schweinfurter Grüns, welches die um das phy-
!) Sehr eingehend ist dieser Gegenstand in W. Jettel’s Schrift „DieZündwaarenfabrikation in ihrer gegenwärtigen Ausbildung“, Braunschweig1871 , bei Friedr. Vieweg u. Sohn, behandelt.