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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Phosphor und Ziindwaaren. 231

der Ausstellung in London 1862 ergiebt, auf welchen zu dem Endeverwiesen wird J ).

Der Berichterstatter hatte schon frühzeitig durch seine Unter-suchungen über das merkwürdige Verhalten des amorphen Phosphorsgegen Kaliumchlorat und andere sauerstoffreiche Körper festgestellt,dass sich mit dem Phosphor in dieser Modification Gemenge von jedemGrade der Entzündlichkeit darstellen lassen. Unter den Zündhölzchen,die versuchsweise mit solchen Gemengen angefertigt wurden, war immereine geringe Anzahl, die allen Anforderungen entsprach. So wenighiermit die technische Aufgabe gelöst war, so hatten diese Versuchegleichwohl die Möglichkeit dieser Lösung bewiesen. Hrn. Hochstättergebührt das Verdienst, die Bedingungen für die industrielle Herstel-lung von Zündhölzchen mit amorphem Phosphor aufgefunden zu haben,welche berufen sein dürften, die gewöhnlichen Phosphor enthaltenden,bezüglich der leichten Entzündbarkeit an jeder nur einigermaassen ge-eigneten Reibfläche auch einem verwöhnten Publicum gegenüber zuersetzen. In der That lassen die Zündhölzchen des Hrn. Hoch-stätter nichts mehr zu wünschen übrig. Sie entzünden sich auchan einer Reibfläche von Tuch, brennen ganz ruhig, geräuschlos, ohnezu spritzen, fast ohne Rauch und Geruch ab, und versagen höchstselten, wie der Berichterstatter sich bei längerem Gebrauch derselbenüberzeugt hat.

Diese Zündhölzchen ziehen absolut keine Feuchtigkeit an, könnendaher auf Schiffen sowie in allen Zonen gebraucht werden. Wasaber noch wichtiger erscheint, ist, dass die Arbeiter bei ihrer Erzeu-gung keinerlei Art von Gefahr ausgesetzt sind; sie können auch niemalszu absichtlichen oder zufälligen Vergiftungen Veranlassung gehen.Ueherdies sind sie billiger als die gewöhnlichen, denn die Masse für100 000 Stück dieser Zündhölzchen kostet:

für die mit Schwefel 80 Pfg.,

ohne 1 Rmk. 70 Pfg.,

Wachskerzchen 1 Rmk. 42 Pfg. bis 2 Rmk.,

während angegeben wird, dass in Deutschland die gewöhnliche Zünd-

J ) Der Baum gestattet nicht, die Geschichte der Ziindwaaren hier zuwiederholen, es genügt in dieser Beziehung den Bericht von A. W. Hofmannfür 1862, dann den oben citirten des Berichterstatters für 1862, ferner denreichhaltigen Bericht von Dr. C. Holdhaus über die Ziindwaaren auf derAusstellung zu Paris im Jahre 1867 und endlich den Bericht der General-direction über Ziindwaaren und Explosivstoffe auf der Wiener Ausstellung1873 anzuführen. Auch mag endlich hier noch auf den Aufsatz von Thielhingewiesen werden, welcher zumal die Verdienste von Prof. Friedr. Mol-denhauer um die Entwickelung der Zünhhölzchenindustrie in eingehenderWeise bespricht. (Wagn. Jalrresber. 1866, 747.)