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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Phosphor und Zündwaaren.

immer noch hauptsächlich die Knochenerde, es wird jedoch angegeben,dass in neuester Zeit in England auch die natürlichen Phosphoritehierzu benutzt werden, wozu es bei dem stets steigenden Bedarfan Phosphor und den übrigen Verwendungen der Knochen wohl auchkommen muss. Schon jetzt ist man genöthigt, dieses kostbare, sovielfach nützliche Material, das ganz eigentlich dazu bestimmt ist,den Kreislauf der Materie ungestört zu erhalten, von sehr entferntenGegenden herbeizuschaffen, was den Preis desselben bedeutend erhöht.

Es ist daher sehr zu bedauern, dass ein grosser Theil der Knochen,theils aus Indolenz, theils aus Unkenntniss, ein anderer eines einge-wurzelten religiösen Vorurtheiles wegen, diesem grossen Zwecke nichterhalten bleibt.. An passenden Anregungen und Vorschlägen, diesenUebelständen abzuhelfen, fehlt es nicht, und bezüglich des letzterenPunktes waren auch auf der Ausstellung solche zu finden. So hat Cav.Lodovico Brun etti, Professor der pathologischen Anatomie in Padua,einen Apparat zur Verbrennung von Leichen nebst dem Verbrennungs-rückstande einer Leiche, die 45 Kg wog (sub Nr. 4149), zur Ansichtge,bracht. Das Gewicht des fast ganz weissen Rückstandes betrug

1077 g, die Verbrennung dauerte 3L 2 Stunden und die Kosten beliefensich nur auf 1'2 Gulden österr. W. ')

Die Menge der bei der Verbrennung der Knochen zurückblei-benden Knochenerde ist je nach der Verschiedeenheit der Körpertheile,denen die Knochen angehören und nach dem Alter wechselnd, beträgtaber im Mittel 59 p. C. Sie enthält der Hauptmasse nach an:Calciumphosphat Ca 3 (P 0 4 )2 85'7

Magnesiumphosphat. 1'7

Calciumcarbonat . 9'1

Fluorcalcium. 30

99-5

Da man aber aus 100 Kg Knochen nur höchstens 8 Kg Phosphorerhält, also mehr als 2 / 3 des gesammten, in den Knochen enthaltenenPhosphors in den Rückständen bleibt, so ist ersichtlich, dass für dieErzeugung des erforderlichen Quantums von Phosphor eine sehr be-trächtliche Menge von Knochen erforderlich ist, wie folgende Zahlenzeigen. R. Wagner giebt n ämlich in seinem schätzbaren Jahres-berichte (XI, 267) an, dass im Jahre 1864 auf 1865

x ) Sielie Brunettis BuchCremazione dei Cadaveri mit zwei Tafeln;ferner Dr. J. P. Trusen:Die Leichenverbrennung als die geeignetste Artder Todtenbestattung, Breslau 1855, endlich einen vorzüglichen Artikel vonSir Henry Thompson in derContemporary Review (Januarheft 1874), inwelchem der Gegenstand vom sanitären und wirthschaftlichen Standpunktebeleuchtet wird. (S.IST. fr. Presse FUt. 1874, Nro. 40.) Den Bemühungendes vor Kurzem ins Leben getretenen Leichenverbrennungsvereins in Ham-burg ist daher der beste Erfolg zu wünschen.

Wiener Weltausstellung, III.

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