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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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224 Gruppe III. Chemische Industrie.

grösserer Massen Schwierigkeiten, ja seihst Gefahren ein treten, welchedie Ersparniss an Zeit weit aufwiegen, während bei dem jetzt üblichenVerfahren, wo die Umwandlung in offenen, eisernen Gefässen geschieht, inwelche die Luft nur geringen Zutritt hat, der Process wohl längerdauert, aber ohne allen Anstand von statten geht (s. d. Bereitungd. am. Phosphors w. u.).

Gewinnung des Phosphors. Die Hauptmasse des Phosphorswird wohl noch immer auf dem schon von Nicolas und Pelletierangegebenen Wege gewonnen, indem aus der Knochenerde, deren Zu-sammensetzung der Formel Ca 3 (PO 4 ),, entspricht, durch Behandlung mitSchwefelsäure das primäre Phosphat CaH^PO^j dargestellt, diesesdurch Erhitzen in Calciummetaphosphat [Ca(P0 3 ) 2 ] umgewandelt unddann mit Kohle gemengt bei starker Kothglühhitze destillirt wird x ).Jedenfalls ist hierbei die Anwendung thönerner Röhren zweckmässiger,als die der bisher üblichen Retorten, und es muss auch dafür gesorgtwerden, die Gase ganz frei entweichen zu lassen, so dass sie keinenDruck zu überwinden haben. Dass dies überhaupt in allen Fällen,wo es sich darum handelt, Dämpfe aufzufangen und zu condensiren,die aus glühenden thönernen Apparaten entweichen, von grösster Wich-tigkeit ist, erhellt z. B. daraus, dass man keine Spur von Kohlensulfidgewinnt, wenn hei Anwendung von Apparaten aus Thon der Dampfdesselben einen auch nur ganz geringen Druck zu überwinden hat.

Die Reinigung des rohen Phosphors von mechanisch beigemeng-ten Körpern wie Kohle, amorphem Phosphor u. dergl. geschieht ambesten, indem man ihn mittelst einer warm gehaltenen RealsehenPresse £ei geringer Druckhöhe durch Leder presst.

Der Rückstand der Phosphorbereitung (regenerirtes tertiäres Calcium-phosphat) ist ein vorzügliches Klärungsmittel, namentlich für Glycerin,und ist als solches sehr gesucht.

Die Umwandlung des gewöhnlichen Phosphors in den amorphengeschieht in eisernen Kesseln, die während der Erhitzung bis zu 240° C.offen bleiben, jedoch so, dass die Luft nur durch ein enges nicht zukurzes Rohr sparsamen Zutritt hat. Hierdurch wird die Gefahr jederExplosion vermieden und es verbrennt doch nur sehr wenig Phosphor,da der Luftwechsel im Kessel sehr langsam vor sich geht, der Phosphoraber so rasch allen Sauerstoff consumirt, dass die Luft im Kessel baldkeine Spur mehr davon enthält. Der so bereitete, immer noch mitetwas gewöhnlichem gemengte amorphe Phosphor wird unter Wasserzerrieben, durch Kochen mit Natronlauge vom gewöhnlichen Phosphorbefreit, gewasohen und getrocknet.

Zur Gewinnung des Phosphors dient, wie schon oben erwähnt,

*) Mehr hierüber findet man im ArtikelPhosphorus, von A. W. Hof-mann, in dem bereits citirten Berichte der Jury über die Londoner Aus-stellung im Jahre 1862.