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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

iu Frankreich und Italien . . 100 000 Kgim Zollverein und Oesterreich 90 000

in England. 75 000

also zusammen . . . 265 000 Kg

Phosphor erzeugt wurden, wozu somit 3 312 500 Kg Knochen erfor-derlich waren. Diese Zahlen sind aber gegenwärtig viel zu niedrig,wie sich aus den weiter unten über die Production Frankreichs anZündwaaren angegebenen Daten herausstellt.

Aus allem diesem geht hervor, dass bei der üblichen Phosphor-gewinnung ein werthvolles Material verschwenderisch benutzt wird. DieBemühungen der Chemiker, dasselbe besser ausznnutzen, dauern da-her fort. Einerseits hat man die Fabrikation der Knochenkohle (Bein-schwarz, Spodium), die für die Zuckergewinnung und noch so vieleandere Industriezweige von so grosser Wichtigkeit ist, wesentlich ver-bessert, indem man die vorher entfetteten Knochen nicht mehr ineisernen Töpfen, sondern in horizontal liegenden Böhren, ganz wie dieKohle bei der Gaserzeugung, erhitzt 1 ) und dabei die Nebenproducte,wie das kohlensaure Ammoniak, dessen Verbrauch mit jedem Tagesteigt, nebst dem Thiertheer und dem Leuchtgas, das von sehr guterQualität ist, gewinnt. Der Thiertheer ist zwar wohl auch jetzt nochden Fabrikanten lästig, da es an einer genügenden Verwendung des-selben fehlt und man daher genöthigt ist, ihn seihst wieder zu ver-brennen, was immer noch nicht ganz leicht von Statten geht. DieZeit ist aber gewiss nicht mehr fern, wo auch dieses so lange werthlose,an basischen Stickstoffverbindungen so reiche Product eine ausgiebigeVerwerthung finden wird.

Wo die Verhältnisse es erlauben, wird die bereits zum Klären etc.benutzte Knochenkohle eingeäschert und die Knochenasche weiter ver-wendet, oder man behandelt die frischen Knochen mit Salzsäure, umdie Phosphate auszuziehen und den zurückbleibenden Knorpel zurLeimbereitung zu benutzen. H. Fleck gründete hierauf ein sehrrationelles Verfahren 2 ) das bereits A. W. Hofmann in seinem Berichtebesprochen hat, das aber, wie es scheint, noch nicht allgemein eingeführtworden ist, obwohl die Einwendungen, welche wegen Mangels geeigneterGefässe zum Abdampfen der Laugen dagegen erhoben wurden, nichtunüberwindlich sein dürften.

Das gleiche Schicksal theilt auch der sinnreiche Vorschlag vonMotrand, nämlich durch Einwirkung von Salzsäuregas auf ein inniges

*) Siehe hierüber in Wagn. Jahresber. 1867 , 199 , oder auch in Dingl.pol. J. CLXXXIV, 513, G. Lunge, Beschreibung des in England eingeführtenVerfahrens der Knochendestillation. 2 ) Verbessertes Verfahren der Phosphor-fabrikation von Hugo Fleck, Leipzig 1855; mit einem Vorworte von Stein,s. Wagn. Jahresber-. 1855, 66.