Phosphor und Ziindwaaren.
Von Dr. Anton von Schrötter,
k. k. Münzmeister in Wien.
Nur wenige Körper sind so sehr geeignet, unser Interesse nachjeder Richtung in gleich hervorragender Weise zu fesseln, wie derPhosphor. Namentlich sind es dessen Beziehungen zur organischenWelt, welche unausgesetzt unsere ganze Aufmerksamkeit demselbenzulenken.
Es war daher dieser schon vor nahe 200 Jahren durch Brandentdeckte und von Kunkel näher beschriebene Körper stets Gegen-stand vielfacher Untersuchungen und doch sind auch heute nochmanche seiner Eigenschaften nicht genügend ermittelt.
Zuerst aus dem menschlichen Harn dargestellt, wurde der Phosphor100 Jahre später von Gähn in den Knochen als wesentlicher Bestandtheilnachgewiesen. Aus diesem Vorkommen hätte man schon damals auf dieallgemeineVerbreitung dieses Körpers in derNaturschliessen können; abererst in neuerer Zeit ist der Nachweis gelungen, dass nicht nur fast alleauf der Erdoberfläche befindlichen Körper Phosphor enthalten, sonderndass er auch in den meisten Quellen, in allen Flüssen und vor allemim Meerwasser, ja sogar in der Atmosphäre (Barral), wenn auch nurin geringer Menge, vorkommt. In der That könnte auf einem Boden,der frei von Phosphorverbindungen wäre, keine Pflanze gedeihen. DerPhosphor gehört daher in dieser Beziehung in die Reihe der Stoffe,welche zum Aufbaue des Pflanzen- und Thierkörpers unentbehrlichsind, wie Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff, Chlor, Schwefel,Eisen, Calcium u. a. m.
Betrachten wir nun, soweit es der vorliegende Zweck erlaubt, dieEigenschaften des Phosphors etwas näher.
Der bis zum Jahre 1848 allein bekannte und ausschliesslich imHandel vorkommende Phosphor, den man auch jetzt noch den „gewöhn-lichen“ nennt, ist ein gelblicher, durchscheinender, frisch bereitet