Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

211

Salpetersäure und ihre Salze.

R. Weber 1 ) hat vor Kurzem eine Methode kennen gelehrt, das vonH. St. Claire Deville entdeckte Anhydrid der Salpetersäure leichtund in grossen Mengen zu erhalten, indem er wasserfreie Phosphorsäure.in kalt gehaltenes Salpetersäuremonohydrat einträgt und bei gelinderWärme destillirt. Das Destillat besteht aus zwei nicht mischbarenFlüssigkeiten; die obere Schicht wird abgegossen und unter 0° abge-kühlt, wobei sich in reichlichem Maasse Krystalle von Salpetersäure-anhydrid abscheiden. Nach Webers Angabe, die von Ber-thelot 2 ) bestätigt wurde, soll eine sehr gute Ausbeute erhaltenwerden.

Ein sehr empfindliches Reagens auf Salpetersäure ist schwefelsaureBrucinlösung, welche damit eine intensiv rothe Färbung giebt; auf Zu-satz von Zinnchlorür wird alsdann ein violetterNiederschlag ausgefällt.

Nach Angaben von C. D. Braun 3 ), die von Böttger 4 ) bestätigtwurden, soll schwefelsaures Anilin der Brucinreaction an Empfindlichkeitgleichstehen. Man stellt zunächst eine Lösung von Anilinsulfat dardurch Auflösen von 10 Tropfen Anilin in 50 cbcm verdünnter Schwefel-säure (1 : 6), 1 / 2 cbcm dieser Lösung wird auf einem Uhrglase mitl cbcm concentrirter Schwefelsäure gemischt und ein mit der zu prüfen-den Flüssigkeit benetzter Glasstab am Rande durch diese Mischunggeführt. Bei Gegenwart von Salpetersäure erscheinen incarnatrotheStreifen und allmählich färbt sich die ganze Flüssigkeit rosenroth, beimehr Salpetersäure geht die Farbe in das tief Braunrothe und endlichtief Braungelbe über. Nach E. Reichardt 5 ) giebt 1 Thl. Salpeter in1000 Thln. Wasser gelöst mit Anilinlösung keine Reaction mehr, wäh-rend 1 Thl. Salpeter in 100000 Thln. Wasser mit Brucin noch einedeutliche Färbung erkennen lässt.

Zur Bestimmung der geringen Mengen von Salpetersäure in Brunnen-wasser sind eine grosse Zahl von Methoden vorgeschlagen worden. Inneuerer Zeit hat F. Tiemann 0 ) sehr genaue vergleichende Versucheüber die Bestimmung der Salpetersäure bei der Wasseranalyse ange-stellt. Er ordnet sämmtliche Methoden in vier Classen.

I. Methoden, welche auf der in alkalischer Lösung in Gegenwarteines Metalls bewirkten Ueberführung der Salpetersäure in Ammoniakberuhen. Fr. Schulze 7 ) hat auf dieses Princip zuerst eine Methodegegründet und bewirkt die Reduction durch platinirtes Zink, Wolf 8 ),

7 ) E. Weber, Pogg. Ann. CXLVII, 113; Ber. Chem. Ges. 1872,804. 2 ) Berthelot, Bull. Soc. chim. 1873; Ber. Chem. Ges. 1873,

1560. 3 ) C. D. Braun, Zeitsclir. f. analyt. Chemie 1867 , 71; Wagn.

Jahresber. 1867, 197. 4 ) E. Böttger, Jahresber. d. phys. Vereins zu Frank-furt 1866/67, 18; Wagn. Jahresber. 1868, 254. 6 ) E. Eeichardt, Arch.

Pharm. [2] CXLV, 108; Jahresber. d. Chem. 1871, 893. °) Perd. Tiemann ,

Ber. chem. Ges. 1873, 1034. 7 ) Fr. Schulze, Chem. Centralbl. 1861, 657

u. 833. 8 ) Wolf, Chem. Centralbl. 1862, 379.

U*