Ammoniak und Ammoniaksalze. 193
Voran stehen noch immer die sogenannten Ammoniak- oder Gas-wasser der Steinkohlengasfabriken, denen gegenüber alle übrigen vonder Industrie ausgebeuteten Quellen vollständig verschwinden.
Die Quantität der Ammoniaksalze, welche aus den Nebenproductender Blutlaugensalzfabrikation, der Beinschwarzbrennereien, aus gefaul-tem Harn etc. dargestellt wird, bildet mir einen sehr kleinen Bruch-theil der Gesammtproduction.
An Vorschlägen, neue Ammoniakquellen zu erschliessen, hat esallerdings nicht gefehlt. So hat sich Hunt 1 ) in England ein Ver-fahren patentiren lassen, mit Hilfe dessen er Salmiak gewinnt durchUeberleiten einer Mischung von Salzsäure und Stickstoff (oder Luft)über glühenden Coke, den man mit Eisenchlorid oder Manganchlorürimprägnirt hat. Es ist dies nichts Anderes, als die Auffrischungeines schon vor 18 Jahren von B. Wagner 2 ) gemachten Vorschlags;der einzige Unterschied ist der, dass Hunt Mangansalze anwendenwill, während R. Wagner ein Salz des Magnesiums in Vorschlag ge-gebracht hatte. Industrielle Bedeutung hat der angeregte Process bisjetzt nicht gewonnen. Dasselbe gilt von einem Verfahren, welchesHutchinson 3 ) für die Darstellung von Ammoniakverbindungen inAussicht genommen hat und welches darin besteht, dass die stickstoff-haltigen Abfälle der Stärkefabriken in Retorten mit Kalk oder kausti-schem Natron destillirt werden sollen. An dieser Stelle muss auchnoch kurz der Methode gedacht werden, mittelst deren Coste undPaupin de Rosnay 4 ) den Ammoniakgehalt der Canalwasser (Schleusen-wasser) ausbeuten wollen. Diese Wasser sollen mit Magnesia und einemlöslichen Phosphat versetzt, die niedergeschlagenen unlöslichen Ammo-niummagnesiumphosphate gesammelt, getrocknet und in Retorten mitKalk geglüht werden. Das sich entwickelnde Ammoniak würde inSäure geleitet werden, während der Rückstand als Dünger Verwerthungfände. Aber auch in diesem Falle ist man über das Stadium der Ver-suche kaum hinausgelangt.
Darstellung des Ammoniaks aus Gaswasser. Das Ammo-niak- oder Gaswasser, welches sich theils in den Condensatoren, theilsin den Waschapparaten der Steinkohlengasfabriken ansammelt, bestehtaus einer Lösung von flüchtigen und fixen Ammoniakverbindungen insehr veränderlichem Verhältniss. Die ersteren bestehen aus Schwefel-ammonium, Ammoniumcarbonat und freiem Ammoniak; die letzterenhauptsächlich aus den Ammoniumsalzen der Rhodanwasserstoff- undunterschwefligen Säure neben Spuren von Ammonium-sulfat und -chlorid.
l ) Hunt, Chem. News 1864, IX, 32. 2 ) B. Wagner, Wagn. Jahresber.
1856, 83 und 1857, 122. 3 ) Hutchinson, Chem. News 1864, IX, 31.
4 ) Coste et Paupin de Bosnay, Ann. d. gönie civil 1867, 807; Monit.scientif. 1868, 516; Deutsche Industriezeitung 1868, 298.
"Wiener Weltausstellung. III.
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