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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
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Stickstoffverbindungen.

Ammoniak und Ammoniaksalze.

Von M. Seidel,

Fabrikdirector in. Amsterdam.

Wenn der Bericht über die Londoner Ausstellung von 1862 mitRecht behaupten konnte, die Ammoniakindustrie befinde sich noch aufdem nämlichen Standpunkte wie im Jahre 1851, so haben sich dieDinge während des jüngst abgelaufenen Decenniums wesentlich andersgestaltet.

Sowohl in technischer wie commercieller Hinsicht hat sich dieserIndustriezweig in ungeahnter Weise entwickelt.

Bis zum Anfang der 60er Jahre musste die Fabrikation vonAmmoniaksalzen im Yerhältniss zu der Menge des vorhandenen Roh-materials als eine geringe bezeichnet werden. Die Preise der Productewaren nicht hoch genug, um zu einer vermehrten Production aufzu-fordern, die technischen Manipulationen endlich waren meist ziemlichprimitiver Natur.

In letzter Zeit, und ganz besonders seit 1870, hat aber die Ver-werthung des schwefelsauren Ammoniums für die Zwecke des Land-baues von Jahr zu Jahr zugenommen und die technische wie commercielleEntfaltung der Industrie hat begreiflich mit der erhöhten Nachfragegleichen Schrittgehalten.

Von den im Handel vorkommenden Ammoniaksalzen hat das Sulfateine ganz überwiegende Bedeutung; es wird fast ausschliesslich in derLandwirthschaft oder in der Alaunfabrikation verwerthet.

Auch die Anwendung von kaustischem Ammoniak hat stark zuge-nommen, dagegen ist der Verbrauch von sublimirtem und krystallisirtemSalmiak sehr zurückgetreten, so dass in vielen Fabriken die Einrich-tungen für diesen Industriezweig aufgegeben und durch Apparate zurDarstellung von Ammoniumsulfat ersetzt worden sind.

Die Quellen des Ammoniaks sind im Wesentlichen dieselben ge-blieben.