158
Gruppe III. Chemische Industrie.
bindung stellt. Bevor von oben eine frische Charge Schwefelkies ein-gebracht wird, gehen die Arbeiter in den Canal und entfernen die aus-gebrannten Kiese, welche auf den Rosten liegen, durch Auskratzen mitlangen eisernen Haken. Damit die Leute bei dieser Arbeit nicht vomStaub zu sehr belästigt werden, öffnen sie den Schieber, welcher denCanal mit dem Schornstein verbindet, so dass ihnen reichlich frischeLuft zuströmt. Diese Einrichtung gewährt gleichzeitig einen andernVortheil. Könnte man den Luftzutritt zum Ofen hermetisch absperren,so würde man im Stande sein zu verhindern, dass schweflige Säureaus dem Ofen entweicht, wenn die Arbeitsthüren des Kiesofens zumEinwerfen einer neuen Beschickung geöffnet werden. Da indessen her-metische Verschlüsse bei Röstöfen nicht anzubringen sind, so kannman diese Verluste mit Hilfe des langen Canales zweckmässig vermei-den. Man schliesst die von aussen zum Canal führende Thür möglichstdicht und öffnet den zum Schornstein führenden Schieber gerade soweit, dass die durch die Undichtigkeiten der Thür eindringende Luftunter den Roststäben nach dem Schornstein hinzieht und nicht zwischenden Roststäben in den Ofen aufsteigt. Durch zu starken Zug würdedurch die Arbeitsthüren Luft in den Ofen aspirirt und schweflige Säureaus dem Schornstein entweichen. Die Röstung stagnirt also so lange,bis die neue Beschickung im Ofen ausgebreitet ist; man schliesst dannden Schieber wieder und öffnet die Thür, welche zum Canal führt, soweit, als es die gute Abröstung im Kiesofen verlangt.
In Frankreich hat man seit Jahren drehbare Roststäbe in den Kies-öfen. Bereits im Jahre 1848 waren solche bekannt. Sie sind einestheilsfür den Arbeiter bequem und bieten andererseits für die Röstung denVortheil, dass bei dem Hin- und Herbewegen der Roststäbe nur dieunterste Lage der Beschickung ausfällt. Die einzelnen Abtheilungensind meist durch Bogen von einander getrennt; die Oefen gleichen denenglischen, nur ist die Kiesschicht niedriger, da meist reichere, leichtentzündliche Erze geröstet werden.
In Deutschland sind Stückkiesöfen nach französischen, belgischenund englischen Mustern in Gebrauch. Eine Combination des französi-schen und belgischen Ofens wurde im Jahre 1866 in der chemischenFabrik Rhenania bei Stolberg eingeführt und hat diese Constructionseither weitere Verbreitung gefunden. Die ausgebrannten Kiesewerden durch drehbare Roststäbe entfernt, weil nach dem belgischenVerfahren die Arbeiter mit ihren langen Haken leicht in noch schwefel-reiche Lagen eindringen und die Abbrände alsdann einen zu hohenSchwefelgehalt behalten. Unter den Rosten ist auf der Rhenania derlange Canal der belgischen Oefen beibehalten, welcher eine neue Be-schickung ohne Verlust an schwefliger Säure gestattet. Ausserdemerlaubt er unter den Rost bequem einen Wagen zu schieben, in wel-chen die Kiesabbrände direct einfallen und ohne Umladung abgeführt