Die Schwefelindustrie Siciliens. 151
die umwohnende Bevölkerung' gegen die schädlichen Einflüsse der dieAtmosphäre verpestenden schwefligen Säure zu schützen streben.
In Lercara, wo eine Zeitlang nur sehr reiche Erze ( talamone ) vor-kamen, welche sich leicht pulverisiren Hessen und deshalb für den Brandin Calcaroni nicht geeignet erschienen, hat man viele Jahre hindurchdas Ausschmelzen in offenen gusseisernen Kesseln von halbkreisförmigemQuerschnitte mit Hilfe von vegetabilischem Brennmaterial bewerkstelligt.Die Schmelzkosten betrugen etwa 2'50 Lire für 100 Kg Schwefel-ausbeute. In einer Operation wurden 8 bis 9 Quintale Schwefel ausge-schmolzen, welche 2 bis 3 Quintale Brennmaterial verbrauchten. DieKessel hielten 4 bis 5 Jahre. In den Schwefelgruben von Madora(Provinz Lercara), wo zumal sehr schwefelarme Erze verarbeitet werdenmüssen, lässt sich diese Methode nicht in Anwendung bringen. Dortführte Durand den nach ihm benannten Ofen ein. Er besteht auseiner gemauerten viereckigen Kammer von 2 m Seite mit geneigtemBoden und mit einer gewölbten Verdachung, in deren Mitte sich eineOeffnung befindet zur Beschickung und Entleerung des Ofens. In demunteren Theile der Vorderwand ist die Ausflussöffnung und auch aufbeiden Seiten befindet sich eine Oeffnung, die eine zum Anbrennen desOfens, die andere zur Entfernung der Verbrennungsproducte. In einemOfen von dem Inhalte von 1 a / 2 Casse nimmt eine Schmelzoperation(Zeit für Beschickung und Entleerung des Ofens mit eingerechnet)24 Stunden in Anspruch. Der Process verläuft im Uebrigen wie beidem Calcarone.
Ein anderer Ofen wurde 1861 von Conrad Hirzel auf der Sol-fare des Col di Serio (Provinz Lercara) erbaut. Mit Hilfe dieses Apparates,welchen der Erfinder patentirte, soll die Schmelzung schneller vonstatten gehen und jeder Verlust, sei es durch Sublimation, sei es durchEntzündung des Minerals, vermieden werden. Allein der sinnreicheApparat ist complicirt und die Erfolge sind meist hinter den Erwar-tungen zurückgeblieben, so dass man nach Verlauf von zwei Jahrenden Hirzel’sehen Ofen wieder verlassen hat. Ein fast gleichzeitigvon Joseph Gill auf der Solfara della Croee (Lercara) eingerichteterApparat, welcher die Schmelzung des Schwefels mit Hilfe heisser vonSauerstoff befreiter Luft bezweckt, sowie ein von Heinrich Keys ererdachtes System, den Schwefel durch Sublimation in gusseisernen oderthönernen Retorten zu gewinnen, haben kein besseres Schicksal ge-habt. Letzteres System scheint im besten Falle nur für die Verarbeitungvon sehr reichem Erzpulver ( sterri ) und dann auch nur zur Fabrikationvon Schwefelblumen dienen zu können.
Auch der 1867 von Henry Condy Bollmann gemachte Vorschlag,die Schwefelerze auf nassem Wege mit Schwefelkohlenstoff zu ent-schwefelu, hat keinen Erfolg gehabt. Nach Versuchen,' welche 1868