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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Luft in die Compressionsabtheilung vom Kolben angesogen. Ueberdie Nutzleistung der Maschine ist nichts bekannt geworden.

Im Sommer 1871 sah der Verfasser in Berlin eine von Wind-hausen neu ausgeführte und versuchsweise aufgestellte (für New-Orleans bestimmte) mächtige Luftmaschine anderer Construction, mitbesonderem Compressions- und Expansionscylinder, genau nach demSchema, welches wir als das principiell richtigste unserer anfänglichenUntersuchung zu Grunde gelegt haben; dieselbe lieferte Luft von 40° C., welche mit reichlichen Schneeflocken erfüllt war. Da derCompressionscylinder stets frische Luft schöpfte, so fand in dem Kühlereine Ausscheidung von hygroskopischem Wasser statt, welches in demverkleinerten Raum nicht mehr vollkommen dampfförmig bleiben konnte.Die Luft zog, mit Wasser gesättigt, daher in den Expansionscylinderund bei der durch die Ausdehnung bewirkten Kälte musste nothwendigder grössere Theil des noch vorhandenen Dampfes als Schnee ausge-schieden werden. Dieser Umstand wirkt sehr störend auf den Gangder Maschine, da die Kolbenreibung sich durch den Schnee beträcht-lich vermehrt und sich die Abzugscanäle durch denselben leicht ver-stopfen; auch wirkt die frei werdende latente Wärme der Temperatur-erniedrigung etwas entgegen, wenn schon die Summe der negativenWärmeeinheiten dadurch nicht vermindert werden kann, Als Kolben-schmiere wird sehr zweckmässig Glycerin verwendet. Ueber Messver-suche mit dieser Maschine zur Constatirung ihres Wirkungsgradeskonnte Verfasser nichts in Erfahrung bringen. Seit Anfang desJahres 1873 fertigen Nehrlich & Co. in Frankfurt a. M. die Wind-hausensche Maschine mit zwei Cylindern in einer einzigen bedeu-tenden Grösse an, wohl mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisseder Bierbrauerei. Dieselbe bedarf einer Dampfmaschine von 40 Pferdenund producirt garantiemässig per Stunde 2500 cbm Luft von einerTemperatur von 30 bis 50 0 C. unter Null. Nimmt man an, dass sichdiese Temperatur auf Anfangstemperaturen zwischen -j- 30°und -(- 10° C.bezögen, so betrüge die Gesammttemperaturerniedrigung der Luft60° C., woraus sich die Menge der producirten negativen Wärmeein-heiten 50 000 berechnet, entsprechend einem Quantum von höchstens400 Kg Eis. (Im Falle die Production des letzteren ins Auge gefasst/ würde, wäre dasselbe Luftquantum im Kreislauf zu verwenden.) Eine40pferdige Dampfmaschine consumirt per Stunde 80 Kg Kohlen, so-mit würde 1 Kg Kohlen 5 Kg Eis liefern, was als ungemein günstiganzusehen wäre. Eine derartige Luftmaschine einschliesslich Motorkostete im Jahre 1873: 66 000 Rmk.

L. Mignot 1 ) in Paris construirte 1870 gleichfalls eine Luft-

!) L. Mignot, Mech. Mag. Dec. 1870, 404. Dingl. pol J. CXCIX,'362;Wagir. Jahresber. 1871, 696.