90 Gruppe III. Chemische Industrie.
im anderen Gefäss von dem daselbst zurückgebliebenen Wasser wiederabsorbirt.
Der eontinuirlich wirkende Apparat ist complicirter gebaut. VorAllem findet sich ein eingemauerteiy cylindrischer vertical gestellterKessel vor, in welchem die Erhitzung und Verdampfung des Salmiak-geistes behufs Herstellung des flüssigen Ammoniaks ununterbrochen vorsich geht. Derselbe besteht aus zwei Abtheilungen, die untere enthältsehr verdünnte ihres Ammoniaks grösstentheils beraubte Lösung, dieobere Abtheilung enthält eine Anzahl Becken, auf deren oberstes derfrische Salmiakgeist zufliesst; die überströmende Flüssigkeit gelangtauf das nächste Becken und so weiter. Nur die untere Abtheilungist dem Feuer ausgesetzt. Die sich entwickelnden sehr wässerigen Dämpfebringen beim Aufsteigen immer mehr das Ammoniak in den Beckenzur Verdunstung, welches zuletzt nahezu, jedoch nicht vollkommen wasser-frei entweicht. Das Gas gelangt jetzt in einen Kühlapparat, in welchemdasselbe zu Flüssigkeit condensirt wird. (Der Druck, unter welchemsich das Gas verdichtet, hängt von der Temperatur im Condensatorab, und schwankt zwischen 4’4 und 8'5 Atmosphären, wenn die Tempe-ratur des Kühlwassers zwischen 0 und 20° variirt; die Destillations-temperatur beträgt circa 130°.) — Von hier gelangt unter demKesseldruck das flüssige Ammoniak in gleichförmiger Strömung in denVerdunstungsbehälter (Eisbildner); die Stärke des Zuflusses wird durcheinen Regulator normirt. Die Einrichtung des Eisbildners bietet nichtsBemerkenswerthes, Chlorcalciumlösung nimmt die Kälte auf und über-trägt sie auf das zu gefrierende Wasser; wenn irgend eine Flüssigkeit,z. B. Bierwürze, einfach gekühlt werden soll, so ist der vermittelndeKörper nicht nöthig. Das im Kühler verdunstende Ammoniak mussdurch Wasser absorbirt werden. Als Absorptionsmittel verwendet mandie nicht ganz erschöpfte Flüssigkeit der unteren Kesselhälfte, welcheunausgesetzt in einem dünnen Strom austritt und gekühlt in das Ab-sorptionsgefäss gelangt. Das letztere muss nun selbst wieder in einemKühler liegen, damit die bei der Absorption entstehende hohe Tempe-ratur die weitere Aufnahme von Gas nicht hindere. Es bildet sich hieralso wieder der ursprüngliche Salmiakgeist. Mittelst einer Pumpe wirdderselbe in den Kessel zurückgeschafft, unterwegs seine Wärme gegendie Wärme der aus dem unteren Kesseltheil abziehenden Flüssigkeitaustauschend. Da das im Kessel verdampfende Ammoniak nicht ganzwasserfrei ist, so gelangt auch etwas Wasser mit in den Eisbildner;liier häuft sich dasselbe nun allmälig an und hindert die Lebhaftigkeitder Verdunstung; man muss deshalb von Zeit zu Zeit den Inhalt desKühlers ablassen und denselben direct in den Kessel pumpen.
Die erste Kunde der hier beschriebenen Apparate brachte eine