84 Gruppe III. Chemische Industrie.
zu einem lohnenden Geschäft zu machen. — Das nächste Patent aufeine Aether-Eismaschfne wurde im Jahre 1856 an John Harris on vonGeelong in Victoria ertheilt; im September 1857 erhielt derselbe einVerbesserungspatent und nach dem letzteren ist die Maschine folgen der-maassen eingerichtet: Der Verdunstungsbehälter hat die Form einesliegenden Röhrenkessels mit zahlreichen engen Röhren. Durch dieRöhren strömt unausgesetzt eine oben aufgepumpte concentrirte Kochsalz-lösung und zwar, da dieselben in drei Partien von oben nach untengetheilt sind, im Zickzackweg nach unten. Die Aetherflüssigkeit strömtaus dem Condensator in den Kessel ausserhalb der Röhren oben zu.Die Kochsalzlösung gelangt aus dem Kessel in einen langen Kasten,worin die zum Gefrieren eingehängten Gefässe mit Wasser (Eisbüchsen)sich befinden, durchströmt denselben und wird durch die Pumpe inden Kessel zurückgeschafft. Die Anordnung ist ganz rationell. II a r r i s o ngab in seiner Patentbeschreibung an, dass er mittelst seiner Maschinedie Temperatur bis zu —29°habe bringen können; als zweckmässigsteyom ökonomischen Standpunkt bezeichnet er jedoch eine solche von— 2 bis — 5°; das Gefrieren geht zwar dann langsamer von Statten,aber der Kraftaufwand der Maschine ist viel geringer und das Eis wirddurchsichtig wie das Natureis. —^ Ende des Jahres 1859 wurde inLiverpool von Lawrence eine Fabrik zur Erzeugung künstlichen Eiseseingerichtet, die das Pfund Eis zu ri 2 Penny verkaufte. Dullo - 1 ) undGrüneberg 2 ) haben (letzterer mit Abbildungen) Berichte Überdieselbegegeben. Mit einer Dampfmaschine von 15 Pferdekräften sollentäglich 40 bis 60 Centner Eis hergestellt werden können. — ImJahre 1860 beschrieb Laboulay 3 ) eine Aether - Eismaschine vonF. Car re in Paris. Bei derselben wirkte der verdunstende Aetherunmittelbar auf das zu gefrierende Wasser ein 4 ).' Dieselbe wurdeübrigens von Garre bald aufgegeben, nachdem derselbe zur Aus-führung der viel wirksameren 'Ammoniakmaschine gelangt war. —Im März des Jahres 1862 erhielt Dr. Siebe in Lambeth (London) einevervollkommnete Construction der Eismaschine für England patentirt.Die allgemeine Anordnung ist die gleiche wie bei Harrison. Stattdes horizontalen wird jedoch ein verticaler Röhrenkessel angewendet.Ferner finden sich Abänderungen an Luftpumpe und Kühler, die jedochdas Princip nicht bei’ühren; die Eisbüchsen sind derartig eingerichtet,dass wenn die zuerst gefrierende, welche der Einströmung der kaltenLösung zunächst ist, herausgenommen wird, die ganze Reihe sich vor-schiebt und die mit frischem Wasser gefüllte Büchse sich hinten einsetzenlässt. — Von da an ist in der Literatur Siebe’s Name allein mit der
4 ) Dullo, Dingl. pol. J. CLYIII, 115. 2 ) Gl-uueberg, Pol. Centralbl.
1863, 656. 3 ) Laboulay, Bull. Soc. d’Enc. 1860, 129. 4 ) Dingl. pol. J.
CLYIII, 109.