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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

ruhige Luft, unzureichend, um selbst massige Winde zu besiegen. Auchdie erreichte Geschwindigkeit war eine geringe. Beide Bedingungendes Erfolges bleiben an die Benutzung stärkerer Kraftmaschinen unddie letztere wieder an die Vergrösserung der Tragfähigkeit des Ballons,d. h. also seiner relativen Leichtigkeit bei vergrössertem Volum geknüpft.

Von hohem Werthe sind deshalb die Betrachtungen, welche kürz-lich Helmholtz *) über das Verhältniss des Volums zum Widerstandund zu der Geschwindigkeit von Schiffen und Luftballons veröffentlichthat. Hiernach ist die Geschwindigkeit von Dupuys Ballon nichtweit hinter der Grenze zurückgeblieben , welche die Rechnung als diemit einem Ballon von solcher Grösse erreichbare anzeigt. Um langsamgegen eine frische Brise anzugehen, müsste bei den heute zur Dispo-sition stehenden Kraftmaschinen das Volum des Ballons S^mal grössersein, als der untergetauchte Theil des grössten Linienschiffes. An dieFestigkeit des Gewebes, aus welchem der Ballon besteht, werden dabeikaum erfüllbare Ansprüche gestellt, und in der That sind die Erwartungender Erfinder nicht über die Hoffnung hinausgegangen, bei ruhiger' Luftden Ballon lenken zu können. Um bei Vergrösserung der Motoren (derSchraube oder der Räder) doch die. nöthige Festigkeit zu bewahren,müssen dieselben gleichfalls dicker und stärker gemacht werden.Mankann sparsam nur arbeiten mit langsam bewegten grossflächigen Motoren,und diese in den nöthigen Dimensionen ohne zu grosse Belastung desBallons herzustellen wird eine der grössten praktischen Schwierig-keiten sein.

Mit diesem Satze schliesst Helmholtz seinen Aufsatz und dieAussichten, welche aus demselben folgen, stehen weit zurück hinterschwärmerischen Prophezeiungen Solcher, die sich mehr ihren Hoff-nungen als nüchternen wissenschaftlichen Betrachtungen ergeben.

Die Lenkbarkeit der Luftschiffe ist an drei Bedingungen geknüpft:an die Herstellung von Ballons vom kleinsten Volumgewicht, an dieBeschaffung von leichten widerstandsfähigen Motoren und an Kraft-maschinen , die mit geringer Schwere eine gross.e Leistungsfähigkeitverbinden. In wie weit die Chemie etwa durch das Aluminium derErfüllung der letzteren Bedingungen vorgearbeitet hat, wird die Zukunftentscheiden. Für die' erste derselben hat sie bereits vor 90 Jahren imWasserstoff eine Erfüllung gefunden, welche die Neuzeit vollständig an-erkannt hat.

Der Besprechung des Wasserstoffs und Sauerstoffs sollte die derindustriellen Behandlung und Verwendungen des Wassers folgen. Die-selben sind jedoch so vielseitig, um nicht zu sagen allgegenwärtig,

!) Helmholtz, Berl. Akad. Ber. 1873, 501 ff.