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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Sauerstoff.

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welches Böttger J ) vorschlägt, wenig Vortheil dar, um so weniger alsdie Zersetzungstemperatur bei seiner Anwendung eine höhere ist 2 ).Die lästige Mühe, eine klare Chlorkalklösung herzustellen, lässt sichumgehen, wenn man, wie Stoiba 3 ) gefunden, der trüben Lösung einigeerbsen grosse Stückchen Paraffin hinzufügt. Die dünne Oelschicht auf derOberfläche verhindert das Schäumen. Noch ein Uebelstand blieb zu besie-gen übrig. Der Chlorkalk erfordert beträchtliche Wassermengen zu seinerLösung, und man hatte daher grosse Gefässe für die Entwickelungmässiger Mengen Sauerstoffs nöthig. A. Winkler 4 ) umging deshalb denChlorkalk, indem er eine dicke Kalkmilch mit etwas Kobaltsalz anwandteund dieselbe mit Chlor behandelte. Durch diese Modification wird ausdemselben Gefäss eine grössere Menge Sauerstoff entwickelt, und manläuft nicht Gefahr, durch Uebersehäumen belästigt zu werden.

Die Rolle, welche in diesen Methoden das Metalloxyd spielt, istleicht verständlich. Es dient als Sauerstoffträger, indem es abwechselndin eine höhere, leicht zersetzliche Oxydationsstufe übergeht und rück-wärts in die ursprüngliche Verbindung zurückverwandelt wird. Dieunterchlorige Säure des Chlorkalks verwandelt das Kobaltsesquioxydin die unbeständige Kobalfsäure, welche in demselben Augenblicke inSauerstoff und Sesquioxyd zerfällt:

Co 2 0 3 -f 3 [Ca CI (0 CI)] = 3 Ca Cl 2 + 2Co0 32Co0 3 == C02O3 + 0 3 .

Somit ist ein Theil der oben gestellten Aufgabe in schöner Weise ge-löst, und man bildet durch die Sauerstoffentwickelung selbst denSauerstoffentwickler zurück; allein der Sauerstoff wird nicht der Atmo-sphäre, sondern dem Kalk entnommen. Die entstehende Chlorcalcium-lösung muss entfernt und durch Kalkmilch ersetzt werden. DerProcessist darum kein continuirlicher und nach dieser Seite hin war deshalbnoch eine ökonomische Vereinfachung desselben möglich.

Auch diese ist gefunden worden und zwar durch Versuche, die unsvon den Operationen auf nassem W ege zu denen auf trocknem Wege zurück-führen. Seitl851 5 ) hat Boussingault den Baryt als Sauerstoffträger inAnwendung gebracht, der in Porzellanröhren zur Rothgluth erhitzt undmit kohlensäurefreier feuchter Luft behandelt ward, die ihn so in Baryum-superoxyd verwandelte. Durch einen Strom von Wasserdampf wirddaraus Barythydrat zurückgebildet und Sauerstoff frei. Ein Zusatzvon Kalk oder Magnesia verhindert das Zusammenfritten der Masse,und 75 g Baryt liefern so bei jeder Operation 4 bis 5 1 Sauerstoff.

*) Böttger, J. pr. Chein. XCV, 375. 2 ) Reinscli, N. Jahrb. Pharm.

XXIV, 94, Zeitschr. Chem. 1866, 31. 3 ) Stolba, J. pr. Cliem. XCVII, 309.

4 ) A. Winkler, J. pr. Cliem. XCVIII, 340. 6 ) Boussingault, Compt.

rend. XXXII, 261 et 821. J. pr. Chem. LII, 480 u. LIII, 313. Dingl. pol.

J. CXX, 120 u. 416, im Auszug Ann. Chem. Pharm. XXC, 230 u. 231;ausführlich Ann. Chim. Phys. [3] XXXV, 5.