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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

(iondolo ') verbesserte diese Methode 1868,indem er die Porcellan-röhren durch eiserne ersetzte, welche, innerlich durch Magnesia, äusser-lich durch Asbest geschützt, in passenden Oefen lagen, deren Temperaturdurch Schieberegister regulirt wurde, und indem er ferner dem Baryt ausserKalk und Magnesia etwas mangansaures Kalium hinzusetzte. So konntenmit demselben Rohr 122 abwechselnde Oxydationen und Desoxydationenausgeführt werden. Sei es die hohe Temperatur, seien es andere Um-stände, welche der industriellen Anwendung dieser Methode hinderndim Wege gestanden haben, sie hat bis jetzt in der Praxis keinen Ein-gang gefunden, jedenfalls aber hat sie den Weg zu endlichen Erfolgengebahnt * 2 ).

Man wurde aufmerksam auf leichter erregbare Sauerstoffträger alsder Baryt es ist und lenkte zunächst den Blick auf die Kupferchloride.Ihre Eigenschaft, an der Luft leicht in Oxychloride von verschiedenerZusammensetzung überzugehen, liegt der Fabrikation einer altbekanntenMalerfarbe, des Braunschweiger Grüns, zu Grunde. Die Einwirkungder Salzsäure auf Kupferoxychloride schlug Vogel 1855 als Quelle derChlorgewinnung vor 3 ). Mailet 4 ) studirte diese Substanzen näher undgründete 1867 und 1868 auf sie ein Verfahren der industriellen Chlor-und Sauerstoffgewinnung. Er fand, dass Kupferclilorür durch einen.Dampfstrom bei 100 bis 200° in Oxychlorid verwandelt wird, welchesdurch Salzsäure sofort in freies Chlor und Chlorid übergeht, durch Er-hitzen auf nur 400° aber allen Sauerstoff abgiebt. 1 Kg Kupferchlorürlieferte 28 bis 30 1 Sauerstoffgas. Bei Versuchen im Grossen konnten ineiner Operation aus 100 Kg Kupferchlorür 3 bis 3V 2 cbm Sauerstoff oder6 bis 7 cbm Chlor gewonnen werden. Da solcher Operationen vier bisfünf täglich ausführbar sind, können mit 200 bis 300 Kg Kupferoxychlorid15 bis 18 cbm Sauerstoff täglich gewonnen werden. Der dazu dienendeApparat besteht aus rotirenden gusseisernen und mit Thon gefüttertenRetorten, welche das Kupferchlorür mit y 3 Sand oder Kaolin gemengtenthalten, um seine Schmelzbarkeit zu vermindern. In Köln ward dieseMethode 1871 ausgeführt 5 ). Eine Gesellschaft, die sich zu ihrer Ver-

! ) Gondolo, Compt. rend. LXVI, 488.

2 ) Für Laboratoriumszwecke hat Robbin (Pogg. Ann. CXXII, 256) dasBariumsuperoxyd in anderer Form verwendet. Er. empfiehlt ein Gemischvon chromsaurem Kalium (1 Mol.) und Bariumsuperoxyd (3 Mol.) mit ver-dünnter Schwefelsäure zu übergiessen, nur so eine allerdings kostspielige, aber sehr regelmässige und reichliche Sauerstoffquelle zu erhalten. Die Reactionverläuft nach der Gleichung :

2 CrOjj -f 3H 2 0 2 = Cr 2 0 3 4- 3 H 2 O -f 6 O.

Chromsäure IV asserstoff- Chromoxyd.

Superoxyd

3 ) Vogel, Wagn. Jahresber. 1861, 177. 4 ) Mailet, Compt. rend. LXIV,

286 und LXVI, 349. 6 ) Philipps, Der Sauerstoff. Berlin 1871, 22.