Einleitung.
Seitdem vor zwei Menschenaltern die älteste deutsche Universität,Prag, mit der Veröffentlichung ihrer mittelalterlichen Matrikeln, soweitdieselben erhalten sind, begonnen hat, das Augenmerk der Geschichts-forscher und mehr noch der Geschichtsfreunde auf diese Zeugen desUniversitätslehens der Vergangenheit zu lenken, hat besonders in denletzten Jahren ein reicher Strom ähnlicher Publikationen sich über dendeutschen Büchermarkt ergossen. Fast alle älteren deutschen Universi-täten haben dafür gesorgt, die alten Verzeichnisse ihrer Lehrer undSchüler durch den Druck allgemein zugänglich zu machen. Der Wertdieser Veröffentlichungen für Geschichte, Genealogie und Kulturge-schichte ist längst allgemein anerkannt, und jede neu erscheinendeUniversitätsmatrikel wird als neues Blatt in dem immer voller werdendenKranze mit Freuden begrüsst. Nicht so einig, wie über die Bedeut-samkeit dieser Arbeiten, ist die historische Wissenschaft über dieMethode, welche bei der Herausgabe dieser Denkmäler zu befolgenist. Ein grosser Abstand herrscht nicht nur zwischen den ältestenPublikationen von Prag und Wittenberg, die sich mit einem einfachenAbdruck der handschriftlichen Vorlagen begnügten, und der jüngstenAusgabe von Hermann Keussen, der bei Edition der Kölner Matrikelbestrebt ist, bei den einzelnen Studenten alle erreichbaren biographischenNachweise zu geben — auch die neueren Arbeiten unterscheiden sichwesentlich von einander: die einen suchen wenigstens die übrigen aka-demischen Begister (Dekanatsbücher u. s. w.) zu verwerten, die anderengeben nichts, als unerklärte und nicht immer richtig gelesene Namen-reihen. Nun ist bekanntlich in der sehr individuell gewordenen Schriftdes 15. und 16. Jahrhunderts ein Name erst dann mit Sicherheit zulesen, wenn er dem Leser bereits bekannt ist; dazu kommt die Un-deutlichkeit der gelehrten Rektorenhände, bei denen wie heut zu Tagedie Lesbarkeit der Handschrift häufig im umgekehrten Verhältniss zuihrer Gelehrsamkeit steht — es ist eine wahre Wohlthat, wenn manin den Matrikeln und Dekanatsbüchern statt auf die Rektoren-, aufSchreiberhände stösst. Freilich haben diese Schreiber häufig die Schriftihrer Vorgesetzten noch schlechter lesen können, als wir. Eine weitere
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