VI
Einleitung.
Fehlerquelle liegt in dem Dialekt des Studenten sowohl, als der auf-zeichnenden akademischen Behörden: der Meissner vertauschte schonim 16. Jahrhundert die Konsonanten und hört das breite E des Ost-preussen als A. So sind weder Orts- noch Personennamen in denMatrikeln immer korrekt überliefert. Nach den Grundsätzen der Ur-kundenedition giebt aber natürlich jeder Herausgeber seinen Text genauund unverändert so, wie er ihn in der Handschrift findet oder dochzu lesen verstanden hat, höchst selten werden inFussnoten schüchterneVerbesserungsvorschläge gewagt, sinnlose, für den Lokalforscher aufden ersten Blick erkennbare Formen unverändert beibehalten. DieSchuld liegt nicht an dem Herausgeber, sondern an der Art der Aus-gabe. Wenn irgend ein Gebiet historischer Quellenpublikation sich zugemeinsamer Bearbeitung, zum Zusammenwirken Vieler eignet, so istes die Edition der Universitätsmatrikeln. Es ist für einen einzelnenForscher absolut unmöglich, in all den zahlreichen deutschen und ausser-deutschen Landschaften, aus denen die lernbegierige Jugend im 15. und16. Jahrhundert zu den Hörsälen strömte, so gleichmässig Bescheid zuwissen, um die so oft entstellten Namen zu verstehen und richtig zulesen. So leicht es für ein kleines Gebiet, in dem man sich einiger-massen zu Hause fühlt, ist, unter Beachtung der Fehlerquellen dieIrrthümer der Aufzeichnungen zu erkennen und richtig zu stellen, soübersteigt diese Arbeit für eine ganze Matrikel bei Weitem die Krafteines Einzelnen. Hier ist ein lohnendes Feld für die Thätigkeit unsererGeschichtsvereine, die w 7 ie ein Netz mit dichten Maschen unser Vater-land überziehen — freilich hätte diese Thätigkeit nicht, wie es jetztgeschieht — nach, sondern vor Herausgabe der Matrikeln einzusetzen,denn sie sollte nicht falsch verstandene und darum verkehrt gedruckteNamen berichtigen, sondern verhüten, dass überhaupt falsch gelesenwird. Nun kann natürlich nicht jeder Herausgeber einer Universitäts-matrikel, wie es die Berliner Akademie für die Akten der deutschenNation in Bologna gethan hat, den ganzen Apparat der historischenVereine für sich in Bewegung setzen, auch ist es jetzt, nachdem weitausdie meisten dieser Denkmäler gedruckt vorliegen, längst zu spät —aber ich glaube nicht, dass mit der Einzelausgabe aller dieser Matrikeln,mit dem wörtlichen Abdruck dieser endlosen, vielfach fehlerhaftenNamenreihen das Ideal der Zugänglichkeit dieser Quellen unserer Uni-versitätsgeschichte bereits erreicht ist. Ich hoffe vielmehr, dass je mehrsich die historische Welt von der Wichtigkeit dieser Quellen über-zeugen wird, desto lebhafter der Wunsch nach einer neuen korrekterenAusgabe entstehen wird. Diese kann meiner Meinung nach nur einemit den vereinten Kräften der historischen Gesellschaften unternommeneGesamtausgabe sein, in welcher nach gleichmässigen Grundsätzen, unterHeranziehung aller Hülfsmittel, die sämtlichen Matrikeln und Dekanats-bücher etwa bis zum Anfang dieses Jahrhunderts bearbeitet und mit