Auf Anregung Wilhelm von Harteis hat die kaiserl. Aka-demie der Wissenschaften bereits im Jahre 1897 die Sammlungund Herausgabe der mittelalterlichen Bibliothekskataloge ins Augegefaßt und eine eigene Kommission für diese Aufgabe eingesetzt.Engelbert Mühlbacher entwarf zunächst Grundzüge für die Be-arbeitung, welche noch im gleichen Jahre dem auf diesem Gebieteschon erprobten Kustos der Hofbibliothek, Herrn Dr. TheodorGottlieb, übertragen wurde.
Die ursprüngliche Absicht war, die alten BücherverzeichnisseMitteleuropas, also des ganzen ehemaligen deutschen Reiches ein-schließlich der Niederlande und der Schweiz, sowie der nichtdeut-schen Provinzen Österreichs zu veröffentlichen. Die engen literatur-geschichtlichen Beziehungen zum nördlichen Frankreich und zuItalien hätten freilich auch die Ausdehnung auf diese Gebiete nahe-gelegt, aber aus begreiflichen praktischen Rücksichten wurde da-von von vorneherein abgesehen.
Die Bibliotheksforschungen und sonstigen Vorarbeiten, mitwelchen Dr. Gottlieb sofort begann, machten aber nach einigenJahren klar, daß bei solchem Umfang des Unternehmens ein Ab-schluß sich ins Ungemessene verzögern würde, während es dochsehr wünschenswert erschien, daß ein derartiges Corpus, welchesso mannigfache Studien und Wissenszweige zu fördern berufenist, in möglichst kurzer Frist zustande komme. Diese Erwägungenveranlaßten die kaiserliche Akademie im Jahre 1905, ihre Arbeitenauf die Sammlung und Edition der mittelalterlichen Kataloge undsonstigen Bücherverzeichnisse jener Bibliotheken einzuschränken,welche auf dem Boden des heutigen Österreich bestanden odernoch bestehen.
Sie hat sich keineswegs verhehlt, daß eine Sammlung dereinschlägigen Denkmäler nur aus diesem jüngeren und daher ins-besondere im Mittelalter weniger bebauten Kulturland allein derWissenschaft nicht so große Dienste leisten könne wie die Ver-wirklichung ihrer ursprünglichen Absicht. Von dieser Überzeugung