VI.
Wir haben oben den nicht schönen noch würdigen Briefder Herzogin Albany vom 4. Juli 1785 gelesen. Daß dasVerhalten der Gemalin Carl Eduards, daß Alfieri's Verweilenim Elsaß im vorausgegangenen Spätsommer Stoff zu viel-fachem Gerede gaben, liegt aus der Hand. Für alles jedochwas dieser Brief sonst enthält, giebt es wenige Anhaltpunkte.In einem am 31. Mai an Mario Bianchi von Florenz ausgerichteten Briefe meldet Alfieri, er sei, von Langeweile undTraurigkeit gequält, plötzlich nach der Hauptstadt gekommen,um sich aufzurütteln nicht um sich zu unterhalten (er wohntedoch einem „sehr schönen Feste" im Palast Pitti bei), sehe sichauch nach einer Wohnung um, sei aber in Allem schwankend.Man sieht, woher die von der Herzogin dem Cardinal ge-gebene Nachricht stammte. Der Aufenthalt währte indeß nurwenige Tage, denn am 6. Juni schrieb er dem sienesischenFreunde wieder aus Pisa, wo er in ärgster Verstimmung undschwer ertragener Einsamkeit, wie er selbst meldet, bis AnfangSeptember verweilte.
Davon, daß die Gräfin von Albany ihrem Verehrer da-mals Anlaß zur Eifersucht gegeben habe, ist nichts bekannt.Allerdings würde Alfieri der Letzte gewesen sein, solcher Dingezu erwähnen, da aus der ganzen Selbstbiographie nur dieungetrübte Anhänglichkeit und Eintracht, die ungeschwächteStärke der „ goldenen Ketten" zwischen ihm und seiner Donnahervorgeht, während man nur zu gut weiß, daß es damit in, späteren Jahren nicht viel mehr als eine Ausrechthaltung