318 K. Gustav III. von Schweden in Aachen 1780 und 1791. - H
besichtigte er fleißig. Das Publikum empfing ihn überall mitApplaus, im Theater wie auf der Straße; er mußte in einemCoupö mit einem einzigen Kammerherrn und Bedienten ohneAbzeichen fahren, um nicht allerwärts erkannt zu werden.Alle Schriftsteller von Bedeutung lernte er kennen, wohnteeiner öffentlichen Sitzung der Akademie bei, wobei die vornehmeDamenwelt in großer Zahl erschien, und unterhielt sich mitden vierzig Unsterblichen in ihrem Sprechzimmer, wobei erjedem etwas Verbindliches über seine Schriften (wenn sie etwasgeschrieben hatten, was nicht bei Allen der Fall war) zu sagenwußte. So fehlerhaft er das Französische schrieb, in der Con-versation handhabte er es mit großer Gewandtheit und ge-ringem fremdländischen Accent. Obgleich er so großes Ver-langen zeigte, literarische Celebritäten, oder was man dafürhielt, kennen zu lernen, äußerte er sich doch gelegentlich sehrgeringschätzend über dieselben, selbst über Voltaire — freilichin Bezug auf Friedrich II. „ Seine Conversation", heißt es indamaligen Aufzeichnungen über ihn, „ist lebhaft; er spricht etwaszu viel, besonders über seine eignen Angelegenheiten, aber erzeigt sich liebenswürdig und ritterlich, auch in Haltung undGebehrde." Seine körperliche Gewandtheit — er war ein sokühner wie geübter Reiter — weckte allgemeine Bewunderung.Begreiflicherweise waren die Jahre nicht vorübergegangen, ohnein seiner äußern Erscheinung Spuren zurückzulassen, aber siewar immer vortheilhaft — war er doch erst siebenunddreißigalt. In, einer Hinsicht bot er der pariser Satire Stoff: ererwies älteren Damen mehr Aufmerksamkeit als jungen, undlernte keine Schauspielerinnen kennen, so sehr er das Theaterliebte.