2W König. Gustav III. von Schweden in Aachen
dender in der Geschichte Frankreichs; dieser Moment bot aberauch einem künftigen König keine guten Muster. Die letztenJahre Ludwig's XV. beschworen um die Wette die Stürmeheraus, deren Wuth sich über das schuldlose Haupt seinesNachfolgers entladen sollte. Nicht viel über zwei Jahre früherwar Jeanne de Vaubernier, oder Mademoiselle l'Ange, welchegleich der Erretterin Frankreichs aus englischer Macht vonVaucouleurs in Lothringen stammte, Comtesse du Barri ge-worden, und der beinahe sechzigjährige Monarch sah sich inFesseln, welche lauter als die aller seiner Staatsgefangenen ge-klirrt haben. Die neue Favorite beherrschte Versailles, alsMarie Antoinette, die Anvermälte des Dauphin, daselbst an-kam (Mai 1770), und sie erlangte den Sturz des einzigenMannes, der am Hofe ihr offenen Widerstand zu leistengewagt hatte, des allmächtigen Ministers Herzogs von Choiseul.
Der schwedische Kronprinz langte bald daraus, in derzweiten Januarwoche 1771, unter dem Namen eines Grafenvon Gotland in Paris an. Er acceptirte die Dinge wie sieam Hofe waren.
Während seines wiederholten Aufenthalts in der französischenHauptstadt (1784) kam eines Tags die Rede auf Madame duBarri. „Ich habe nie begreifen können", bemerkte er, „weß-halb manche Leute nicht zu ihr gingen, als sie am Hofe war.Zu wiederholten Malen habe ich sie besucht. Mein Vaterhatte es mir ausdrücklich anempfohlen, und meine Mutter, dieein Tugenddrache war, hatte es mir positiv befohlen. Nurin Frankreich vermeidet man die Freundin des Souveräns zubesuchen. Warum aber verhielt man sich damals so? Ichwill es Ihnen sagen: Ludwig XV. war gütig, und Madame duBarri war nicht böse — man fürchtete weder den Einen nochdie Andere. (?) Was mich betrifft, so wollte ich Ludwig XV.sehr wohl, und erwies ihm um so bereitwilliger was ich ihmschuldete, weil er mich wie seinen Sohn behandelte. Er hattedas Recht dazu, so wegen seines Alters wie wegen meinerAnhänglichkeit." Der schwedische Prinz hatte übrigens garnicht so sehr nöthig, seine Höflichkeit gegen die Favorite zu