222 König Victor Amadeus II.
Philibert sieht die Nachwelt die beiden Schöpfer des modernenPiemont.
Die Marchesa di Spigno war sogleich vom Sterbelagerentfernt worden. Man hatte so 'grausame und unanständigeEile sie wegzuschaffen, daß sie gezwungen wurde, schon umneun Uhr am folgenden Morgen nach Carignano .abzureisen,wo man ihr das Sankt Josephskloster zum Aufenthalt anwies.Später gestattete man ihr sich in das Kloster der Visitationzu Pinerolo zu begeben, wo sie Verwandte hatte, zwei Schwesternund eine Nichte. Im April 1769 ist sie hier an ihremneunzigsten Geburtstage gestorben, beinahe vier Decennien nachden Ereignissen, welche, wenn sie durch Ehrgeiz gesündigt, harte,zu harte Strafe über sie verhängt hatten. Alle die daranbetheiligt gewesen, mit Ausnahme König Carl Emanuels, warenihr vorausgegangen. Schon im Frühling 1735 die jungeKönigin, welche bereits zwei Jahre später in der PrinzessinElisabeth von Lothringen, Kaiser Franz' I. Schwester eineNachfolgerin erhielt. Der Mann, dem Viele es nicht ver-gaßen, daß er den Hader zwischen Vater und Sohn vergiftetund vor allen die tragischen Scenen herbeigeführt hatte, mitdenen Victor Amadeus' thatenreiche Laufbahn kläglich endete,der aber zu den talentvollsten Staatsmännern des vorigenJahrhunderts gehört, der Marchese d'Ormea, starb im Früh-ling 1745. Sein Tod erfolgte inmitten der Bedrängnisse,die der östreichische Erbfolgekrieg für Piemont herbeiführte, dasjedoch drei Jahre später durch den Aachener Frieden ver-größert aus dem langen Kampfe hervorging, welchem für CarlEmanuel noch ein Vierteljahrhundert des Friedens folgte.