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Kleine historische Schriften
Entstehung
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Anmerkung.

Bis auf unsere Tage ist die Geschichte des Ausgangs von Regierungund Leben König Victor Amadeus' II. Gegenstand großentheils irrigerund theilweise mit bestimmter Absicht erfundener Darstellungen gewesen.Diese Darstellungen haben eine zwiefache Quelle. Gemäß dem Zeugnissedes obengenannten französischen Gesandten Grafen Blondel, eines Manneszu welchem der König in seinen spätem Jahren große Zuneigung faßteund der unter dem Titel L.ueeäotes" eine Reihe Aufzeichnungen hinter-lassen hat, welche von den Historikern mit Vortheil benutzt werden, stammtdie erste der ungenauen Versionen vom Marchese d'Ormea her, der nurzu sehr empfand wie ungünstig ihm die öffentliche Meinung war, unddurch einen seiner Vertrauten eine Relation entwerfen ließ, welche dievon ihm angerathenen und durchgesetzten Maßregeln durch willkürlicheÜbertreibung der von dem abgedankten Könige ersonnenen und theilweisesogar ins Werk gesetzten gefährlichen Anschläge gegen die Regierung seinesSohnes zu rechtfertigen bestimmt war. Diese Relation, angeblich zurInformation der königlichen Missionen im Auslande bestimmt, wurdesodann heimlich den fremden Gesandtschaften in Turin in die Händegespielt und erlangte so gewissermaßen offiziellen Charakter.

Die andere sehr verbreitete und noch vor einigen Jahrzehnten wiederaufgewärmte Darstellung hat einen sehr verschiedenen Ursprung, ist jedochgleich der ersten durch selbstische Zwecke veranlaßt worden. Sie stammtvon einem Mann, der in Victor Amadeus' Zeit viel von sich redengemacht hat und bald vergessen worden ist. Dieser Mann war AlbertoRadicati Graf von Passerano, aus einem der ältesten Adelsgeschlechtervon Montferrat, welches das Münzrecht hatte, sich in mehre Linien theilteund, seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts im piemontesischen Staats-verbande, mehre der Seinigen in den vornehmsten Ehrenämtern gesehenhat. (Vgl. L. Cibrario Hotiris gensaloxlods äi I'amiAlio nadiliäella Nouareüia äi Lavoia, Turin 1866, S. 46, 177). Die anticleri-kalen, antikirchlichen endlich antireligiösen Meinungen Radicati's sindso weit gegangen und so offen ja demonstrativ zur Schau getragenworden, daß die Inquisition gegen ihn, den das Volk einen Atheisten