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206 König Victor Amadeus' II.
etwas vorgenommen hätte. Allein, in der übelsten Laune, blieber in der Gesellschaft der Marchesa di Spigno, welche an solchenTagen des Wortes Pater Dormiglia's gedenken mochte. Nur ge-rufen oder im ausdrücklichem Aufträge des Königs kamen Personenvom Hofe zu ihm. Gegen Alle ließ er seinen Ärger aus, gegen Allesprach er in heftigen Ausdrücken von des Sohnes Undank undvon dessen schlechter Regierung', der er ein Ende zu machendenke. Über das Wie äußerte er sich nie: ohne Zweifel hatteer es sich selber nicht klar gemacht. D'Ormea's Namenkonnte er nicht ohne ärgste Schmähungen und Drohungen aus-sprechen. Als er den Sohn nicht wieder erscheinen sah, sandteer am 23. September den Baron Faverge, einen savohischenEdelmann, nach Turin, mit einer Einladung nach Moncalierizu kommen, um seine Befehle zu vernehmen. Carl Emanuelantwortete schriftlich. Sein ausführlicher und ehrfurchtvollerBrief war ablehnend, erläuterte aber zugleich die Gründeseiner Weigerung. Diese Gründe bestanden in den häufigenErklärungen, die der Vater ihm persönlich wie Andern ge-macht, Erklärungen, aus denen klar hervorgehe, daß seine Ge-sinnung gegen ihn sich ganz geändert, was ihn mit dem tiefstenLeidwesen erfülle. Die Zeit werde seine Schuldlosigkeit an denTag bringen; er werde sich stets bestreben, des Vaters Tugen-den nachzuahmen; er werde die Regierung führen, selbständigund nicht in Abhängigkeit von andern, und an die Wahrungder königlichen Autorität und der eigenen Ehre sein Lebensetzen. Victor Amadeus wiederholte seine Aufforderung: inGegenwart des Marschalls Rehbinder und des Grasen vonNone werde er mit ihm reden. Der König erwiederte, daß,da es sich um keine geheime Unterredung handle, er ihm seineMittheilungen durch den Mund der nämlichen Personen machenlassen möchte, die er zu Zeugen der Zusammenkunft bestimmte.
Nach diesem Briefwechsel ließ Victor Amadeus seinen vor-maligen Beichtvater, den Abate Boggio di Sangano rufen,mit dem er sich in seinem Cabinet einschloß. Hier vertrauteer ihm in feierlichem Tone, wie sehr und in wie viel Dingender König, sein Sohn, sich gegen ihn vergangen. Zum Be-