Thronentsagung und Ende. 205
ihm den Tag bestimmen, an welchem er in Moncalieri zu ihmzu kommen habe.
Carl Emanuel und seine Minister erkannten, daß die Kata-strophe herannahte. Sie urteilten, während gedachter Reisewerde Victor Amadeus den Anschlag ausführen, den er seitseiner Rückkehr bald in zornigen Ausfällen, bald in verstecktenDrohungen durchblicken ließ. Am Hofe, wie in der Stadt,herrschten Spannung und Bcsorgniß. Man kannte des altenKönigs gewaltsamen und unternehmenden Sinn und zweifeltenicht an irgendeinem großen Wechsel. D'Ormea stellte seinemHerrn die Gefahr des Staates wie seiner Person vor; dieKönigin bat ihren Gemal, für seine Sicherheit zu sorgen.Carl Emanuel, zwischen Kindesliebe und Herrscherpflicht schwan-kend, sandte den Minister nochmals nach Moncalieri, denVater zu bitten, ihm sein Vertrauen zu schenken und ihn vonder gebotenen Reise zu entbinden. Aber Victor Amadeus, derimmer noch auf des Sohnes Unterwürfigkeit gerechnet hatte,gerieth in völlige Wuth, so sehr auch D'Ormea sich bestrebte,ihm zugleich mit seinem Dankgefühl seine eigenen Pflichtenklar zu machen. Bleich und mit donnernder Stimme rief erdem Minister zu, sein Sohn solle nach Fenestrelle gehen unddann seine Befehle cntgegennehmen. Er selbst solle sich nichtwieder zwischen Vater und Sohn stellen, sonst werde es ihmübel ergehen. Von der Antwort und der Haltung des Vatersin Kenntniß gesetzt, berief Carl Emanuel den Ministerrath.In Turin befand sich keine andere Mannschaft als ein Ba-taillon, nebst zweihundert Mann Besatzung in der Citadelle.Man ließ aus den nächsten Standquartieren zwei Infanterie-regimente:: und ein Regiment Dragoner kommen; da es an Ca-sernen fehlte, bivouakirten diese Truppen einige Tage langunter den Bogenhallen von Piazza San Carlo. In der Armeewurden mehr Beförderungen vorgenommen, und vacante Gou-verneurstellen wieder besetzt. Der König beschloß, nicht mehrnach Moncalieri zu gehen, sondern wollte dem Vater Zeit lassen,sich zu beruhigen.
Die Tage verstrichen, ohne daß Victor Amadeus irgend