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Kleine historische Schriften
Entstehung
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König Victor Amadeus' II.

Tochter Louis Charles' Herzogs von Luhnes, des namentlichdurch seine eifrige Betheiligung an der Jansenistischen Be-wegung und literarischen Thätigkeit bekannten einzigen Sohnesdes Günstlings Ludwigs XIII. und seiner zweiten Frau Annede Rohan. Im Jahre 1669 geboren, vermalte sie sich kaumvierzehn alt mit Manfreds Scaglia Grafen von Verrua,einem vornehmen, glänzenden, schönen jungen Manne, Kammer-herr und Oberst, dessen Mutter Ehrendame der verwittwetenHerzogin, dessen Oheim eine Zeitlang Botschafter in Parisund Staatsminister war, nachdem seine Vorfahren längst hoheÄmter bekleidet hatten. Aus den Denkwürdigkeiten der Zeitunter denen die Saint Simon's allen vorangehn, ergiebt sichwelchen Widerstand die schöne und geistvolle junge Frau, diemit ihrem Manne glücklich lebte, der Leidenschaft des Herzogsgeleistet hat, und wie Unverstand, wenn nicht Eigennutz undselbst Feindseligkeit in der Familie ihres Mannes die Schuldtrugen, wenn sie dieser Leidenschaft endlich Gehör gab. EineVersion, die nicht etwa zur Milderung der Unehre einer vor-nehmen Familie in Frankreich ersonnen worden, sondern, wiewir noch sehn werden, in Italien ebenso verbreitet gewesen istund wol der Wahrheit entspricht. Einmal auf der schiefen Ebene,hat die Gräfin von Verrua dann aber die Rolle der Monte-span gespielt, und ihre politische Verbindung mit dem schon ge-nannten Grafen Tessö hat, ungeachtet des eifersüchtigen Arg-wohns des Herzogs, auf dessen Haltung zu Anfang des spa-nischen Erbfolgekriegs nicht geringen Einfluß geübt. Im Jahre1700 ist sie jedoch, da sie Victor Amadeus' Laune und dieArt Gefangenschaft worin er sie hielt, nicht länger zu ertragenvermochte, nach Paris entflohen, wo sie, anfangs von denIhrigen gemieden, durch Gewandtheit, Geist und Reichthumsich am Ende doch in der Gesellschaft eine gute Stellung er-kämpfte und bis zu ihrem Ende bewahrte.

Als die Gräfin von Verrua erklärte Mätresse des Her-zogs wurde, hatte ihr Gemal mit seinen Kindern die Heimatverlassen und war nach Frankreich gegangen, wo er in Diensttrat und als Generalcommissar der Cavallerie bei der Armee