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Kleine historische Schriften
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König Victor Amadeus' II.

und das Bestreben diesen minder fühlbar zu machen, gewannenihm alle Herzen. Dies war zu viel für einen mißgünstigenVater, den es zur Verzweiflung gebracht haben würde wenner einen talentlosen Sohn gehabt hätte, der jedoch, auf seinenSchatten eifersüchtig, und scharfsichtig genug um zu fühlen daßer am Hofe wie im Lande gefürchtet aber keineswegs geliebtwar, fand daß sein sechzehnjähriger Thronnachfolger sich allge-meine Achtung und Liebe zu sehr erworben und verdient habe.Bei seiner Rückkehr waren Empfang und Dank sehr trocken.Nachdem über das während seiner Abwesenheit VorgekommeneBericht erstattet worden, ließ er den Prinzen nicht wieder zuden Geschäften zu, und ertheilte den Ministern den Befehlihm über nichts Mittheilung zu machen. Dieser empfand tiefein so wenig verdientes Verfahren, ertrug es jedoch ohne zuklagen noch gekränkt zu erscheinen. Der Vater aber war höchstunzufrieden, den Hof dem Prinzen Aufmerksamkeit und An-hänglichkeit bezeigen zu sehn, wie wenn es sich um Einenhandelte der schon die Gewalt in Händen hat. Darum ver-sagte er ihm die geringfügigsten Kleinigkeiten, zum Zweck ihnin Mißcredit zu bringen und die Leute von ihm zu ent-fernen. Es ging dem Prinzen sehr nahe, ohne daß er ausseiner bescheidenen und pflichttreuen Haltung herausgetretenwäre.

Nun kam der Carneval. Die Damen welche während derRegentschaft den Prinzen bei seiner Großmutter kennen gelernthatten und von ihm viel gesehn worden waren, schlugen ihmvor ihnen einen Ball zu geben, und er glaubte keinen Grundzu Unzufriedenheit zu bieten, indem er zusagte, er werde seinenVater um Erlaubniß bitten. Die Geschäfte hatten nichts zuschaffen mit einem Zeitvertreib der für sein Alter und für denHof paßte. So bat er um die Erlaubniß, erhielt aber eineüberaus harte abschlägige Antwort. Es war der Tropfen, derdas Glas überfließen machte. Der Prinz konnte eine Be-handlung, zu welcher er keinen Anlaß gegeben hatte und derer nur Sanftmuth entgegenstellte, nicht länger dulden. BeiNacht ergriff ihn ein Fieberanfall. Er öffnete sein Herz in